Japanischer Produzent baut Kanyes »TLOP« nach

Japanese-pablo

Als Kanye West vor wenigen Tagen die Nachricht verkündete, sein neues Album »The Life Of Pablo« sei nun auf allen gängigen Streaming-Plattformen und nicht mehr nur exklusiv auf TIDAL verfügbar, war die Freude groß. Yeezy hatte sich nun also doch zu der gönnerhaften Geste hinreißen lassen, das epische Machwerk dem gemeinen Fußvolk zugänglich zu machen.

In den vergangenen Wochen kamen seit dem Release des siebten Kanye-Langspielers also nur diejenigen in den Genuss des Albums, die sich beim Streaming-Dienst von Jay Z einen Account angelegt hatten – wie viele dieser Accounts bereits direkt nach ihrer Registrierung wieder vorzeitig gekündigt wurden, ist unbekannt. In Japan jedoch gab es selbst diesen exklusiven Kreis nicht, denn dort war »The Life Of Pablo« bis zum vergangenen Freitag kommerziell nicht verfügbar – für niemanden. Streaming-Anbieter wie Spotify oder eben TIDAL sind bis zum heutigen Tag auf dem japanischen Markt schlichtweg nicht existent, Apple Music startete dort erst kürzlich als erster Streamingdienst seiner Art sein Business. Was also machen, wenn man in Japan lebt, großer Kanye-Fan ist, sich das Album aber nicht gönnen kann?

Der japanische Produzent TOYOMU hatte eine einfache wie geniale Idee: »The Life Of Pablo« nach dem Baukastenprinzip nachbauen. Der Beatschrauber aus Kyoto fischte sich also aus der ellenlangen Credit-Liste, die Kanye im Verlauf des Releases veröffentlichte, alle relevanten Samples von »TLOP« heraus und verwurstete sie komplett neu. Um das Gesamtkunstwerk zu komplettieren, wurden die erforderlichen Lyrics der Internet-Enzyklopädie Genius.com entnommen und als computergenerierte Vocals über die neu interpretierten Beats gelegt. Das Erstaunliche an der ganzen Geschichte: TOYOMU hat Kanyes Siebtling nicht ein einziges Mal gehört, bevor er anfing, an seiner Selfmade-Version zu tüfteln. Dementsprechend anders als das Original stellt sich auch das gesamte Soundbild der japanischen Version von »TLOP« dar. Verspulte Melodien und eine rappende Roboterstimme machen das Projekt zugegebenermaßen zu eher schwer verdaulichen Materie. Der künstlerische Anspruch und alleine die Idee machen »なんとなく、パブロ« (»The Life Of Pablo«) allerdings zu einer mindestens genauso interessanten Sache, wie das Original selbst. Laut Eigenaussage hat TOYOMU übrigens immer noch nicht ins Ursprungswerk reingehört.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here