Jamila Woods – HEAVN // Review

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(soundcloud.com/closed-sessions)

In ihrem Song »Chocolate City« beriefen George Clintons Parliament einst Stevie Wonder als Minister of Fine Arts und Aretha Franklin als First Lady ins Weiße Haus. Mit nur einem kurzen Blick auf die aktuellen Schlagzeilen aus dem selbsternannten Land of The Free – Polizeigewalt, ethnische Diskriminierungen, Trumps alltägliche Hass-Parolen – möchte man Jamila Woods ohne Zögern für einen ähnlichen Posten empfehlen. »HEAVN« ist das Solodebüt der Sängerin und Lyrikerin aus der Windy City Chicago und eigentlich eher Album denn Mixtape. Aber dass diese Unterscheidung sowieso obsolet ist, weiß kaum einer besser als Jamilas Chi-Town-Homie Chance The Rapper. So oder so ist »HEAVN« ein großartiges Stück Pop im allerbesten Sinne. Der Sound ist catchy as a motherf***er und gleichzeitig schlau zusammengeschichtet: Cut-Off-Post-Soul auf »VRY BLK«, Rhodes-Wolken auf »Emerald St.«, leiernde Chords und wunderschön im Reverb badende Chöre auf »Lonely Lonely«. Dazu findet Jamila Woods immer die eingängigste Melodielinie und man merkt oft erst auf den zweiten Blick, dass es hier nicht um irgendwelche Boy-Meets-Girl-Belanglosigkeiten geht. Stattdessen hat man es mit einem der souveränsten und gleichzeitig hoffnungsvollsten künstlerischen Statements zur US-amerikanischen Lage zu tun. Für die Chocolate City 2016 empfiehlt sich: »Jamila Woods – Minister of Culture and Identity Poetics!«

Text: Malte Pelleter

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