»Ich möchte kein Produkt sein, ich will etwas hinterlassen« // Jack Harlow im Interview

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»What’s Poppin« lautet der aktuelle Hit des Rappers und Songwriters Jack Harlow, den er unter anderem einem TikTok-Hype rund um tanzende Highschool-Kids zu verdanken hat. Auch durch kleine Beihilfe eines gewissen Cole Bennett sammelt der Sohn eines Schilder- und Lichtreklameherstellers aus Louisville derzeit fleißig Klicks im Millionenbereich und hat just die EP »Sweet Action« veröffentlicht. Nach fünf Mixtapes, zwei EPs und Supportslots bei u.a. Portugal The Man schickt sich Harlow an, auch in Übersee Fuß zu fassen. Wir haben mit ihm über die Zusammenarbeit mit Pharrell Williams und dem ebenfalls aus Kentucky stammenden Bryson Tiller gesprochen und auch erfahren, warum Jack mal nach Berlin ziehen möchte.

Hey Jack, wie geht’s dir in diesen verrückten Zeiten? Nutzt du die Zeit, um kreativ zu sein?

Ja, ich verspüre sogar ziemlichen Druck in dieser freien Zeit etwas zu erschaffen, das sollte ich nämlich wohl tun. Wenn du allerdings die ganze Zeit drinnen bist, ist es teilweise schwierig Inspirationen zu finden.

Im Mai wäre deine US-Tour gestartet, wie versuchst du jetzt deine Fans zu entertainen?

Ich mache viel »Questions and Answers« auf Social Media und versuche stets connected zu bleiben. Die Tour ist jetzt für Herbst angesetzt, but you never know…

Du hast seit 2014 EPs und Mixtapes veröffentlicht, die Single »What’s Poppin’« wurde nun mit Platin ausgezeichnet. Wie gehst du mit dieser neu-gewonnenen Aufmerksamkeit um?

Naja, es passierte nicht über Nacht. Es war ein stetiger Prozess. Ich musste jetzt nicht viel mental aufarbeiten. Es ist auch nicht hart für mich, ich denke ich war dafür ready.

Du hast gesagt, du möchtest so groß wie Travis Scott sein.

Größer (lacht). Ich möchte weltweit Einfluss haben. Ich möchte die Generationen nach mir noch begeistern. Ich höre viele Künstler, die nicht mehr leben, wie David Bowie. Ich möchte auch ein Vermächtnis hinterlassen. Ich weiß nicht, wie gesund diese Herangehensweise ist, das ist ein anderes Thema, aber ich möchte aus den richtigen Gründen bekannt sein und die Menschen beeinflussen.

»Kunst kann die Welt verändern und die Art, wie die Menschen sich fühlen«

Jack Harlow

Was sind die richtigen Gründe?

Man kann Menschen in der richtigen Art und Weise beeinflussen. Man kann den Status Quo brechen. Kunst kann den Menschen Power geben, die Leute beeinflussen, Dynamiken verändern, ihnen helfen z.B. Challenges anzunehmen. Man kann die Welt verändern und wie die Menschen sich fühlen. Es macht Spaß ein paar Partyrecords aufzunehmen und ein bisschen über Shit zu rappen, aber ich möchte auch inspirieren.

Was für eine Message möchtest du deiner Generation mitgeben?

Ich denke, die meiste Zeit versuche ich den Menschen Zufriedenheit mitzugeben. Es gibt so viel Traurigkeit und Ängste, sie sollen sich wohlfühlen und Stärke verspüren, wenn sie meine Musik hören. Als ich früher Rap hörte, habe ich mich dadurch ermutigt und unerschrocken gefühlt, als wäre ich die Spitze der Welt. Man sieht die Welt durch Musik anders und ist nicht nur in der eigenen Bubble. Ich denke die Messages, die ich heute verbreite, werden sich von denen im nächsten Jahr unterscheiden und diese von denen in den darauffolgenden Jahren. Andere Dinge werden wichtiger, man sieht die Welt anders. Ein Beispiel, wie letztes Jahr der Status Quo verändert wurde ist »Hot Girl Summer« von Megan Thee Stallion. Auch City Girls und viele weitere Rapperinnen empowern sich. Es ist ausdrucksstark. Sie sind nicht die ersten, die das tun, aber sie bringen das auf die großen Bühnen. Leute wie Megan vermitteln Frauen das Gefühl: »Ich brauche keinen Mann, ich kann sein, wie ich sein möchte. Ich kann stark sein.« Das ist eine großartige Art und Weise, Kunst zu nutzen. Sie tut etwas für Frauen und bringt das in die Clubs, das ist dope. Das ist ein Beispiel, wie Rap auf moderne Art und Weise zu einem Perspektivwechsel beitragen kann.

Deine Mutter hat sogar Bücher darüber gelesen, wie man an Bedeutung gewinnt. Wie siehst du deine Position als weißer Typ aus der Mittelschicht im HipHop-Game?

Es hat zwei Seiten. Auf der einen Seite ist es einfacher, weil weiße Menschen die Mehrheit darstellen. Wenn jemand einen weißen Artist sieht, können sich viele darin eher wiederfinden. Auf der anderen Seite sind manche Leute skeptischer, du musst dich beweisen, das kann etwas länger dauern, weil du weiß bist. Es ist aber auf jeden Fall so oder so eine privilegierte Position, weil die ganzen weißen Kids denken: »Wow, das könnte ich sein!«

Du vertrittst eher klassische HipHop-Ansätze wie Skills und Anspruch, weniger Turn-Up. Wie kannst du deinem Anspruch »Quality is Priority« als Teil der Musikindustrie gerecht werden?

Ich sehe eher die Kunst und nicht, wie gefragt etwas ist. Das ist mir nicht wichtig. Qualität ist mir wichtig, dadurch repräsentiere ich mich selber. Ich möchte kein Produkt sein, ich möchte stolz darauf sein, was ich mache.

Ist es auch das, was dein eigenes Musikkollektiv »Private Garden« ausdrücken möchte?

Qualität ist uns echt allen wichtig. Mein Team ist voll von ziemlich kritischen Typen, wir glauben nicht, dass alles »amazing« ist. Wir pushen uns gegenseitig. Der Name kam auf, als ich noch auf der Highschool war. Ich sehe gerne die Sachen draußen wachsen. Ich mochte schon immer Gärten und Parks, so eine Art von Natur. Ästhetisch spricht mich das an, ich bekomme da Inspirationen. Ich bin Songwriter und es ist schön, dass in einem Park zu machen, es ist friedlich. Die Musik, die wir machen ist smooth und entspannend. Ich mag auch Gebäude, vor allem solche, von denen du dich visuell angezogen fühlst, aber nicht erklären kannst warum. Wenn du das in deine Kunst aufnehmen kannst, ist das nice. Der Name ist also nicht allzu deep.

Für dein letztes Mixtape »Confetti« (2019) hast du mit Bryson Tiller zusammengearbeitet. Welche Bedeutung hat es für dich, Kentucky zu representen?

Das ist eine riesengroße Sache. Es bedeutet mir und der Stadt alles. Es ist anders, du hast sonst die Politik, den Sport, Business, verschiedene Zweige, in denen Kentucky wachsen kann, aber Musik ist etwas so Mächtiges und das macht es einzigartig darüber repräsentiert zu werden. Wir bekommen, was wir verdienen. Wir werden oft missverstanden. Wir haben so eine starke Kultur, so viel Stolz. Und auf einmal gucken alle hin. Das ist gewaltig. Ich bin aufgewachsen und habe immer gesehen, wie andere Künstler ihre Stadt repräsentieren: New York, LA, sogar Drake mit Toronto und ich dachte immer: »Wow, was muss das für ein Gefühl sein.«

»Ich möchte gerne einmal in Berlin wohnen, um dort Musik zu machen.«

Jack Harlow

Die Single »I Wanna See Some Ass« mit Jetsonmade orientiert sich, wie auch der Song »Thru The Night« mit Bryson Tiller, eher an modernem R’n’B. Kannst du dir vorstellen mehr solche Musik zu machen?

Ja, kann ich. Ich mag, wie Leute auf meine Stimme reagieren, wenn es mehr R’n’B und smoother ist, als nur Rap. Ich möchte sowas mehr in Zukunft machen, nicht nur Worte, nicht immer nur rappen, ich möchte mehr Skills. Ich möchte, dass die Leute auch meine Stimme genießen. Das ist besonders für mich, wenn meine Stimme einen Song tragen kann.

Erzähl mir von deiner Zusammenarbeit mit Pharrell Williams.

Das war etwas Besonderes. Ein Traum ist wahr geworden. Ich bin rüber nach Miami und wir haben ein paar Sachen zusammengemacht. Es war definitiv ein Punkt auf meiner Bucket List.

Das Interesse an dir in Deutschland wächst, du hast erst letztens ein großes Interview geführt.

Das war ziemlich aufregend, in einem großen Magazin in Deutschland zu sein. Ich habe es überall rumgezeigt. Das war eine große Sache für mich.

Möchtest du noch etwas an deine Fans in Deutschland richten?

Ich möchte ihnen sagen, dass ich hoffe, dass sie meine Musik verstehen, auch wenn es auf einer anderen Sprache ist und ich kann es kaum erwarten rüberzukommen. Ich möchte in den nächsten Jahren gern mal für ein paar Monate in Berlin leben, um dort Musik zu machen.

Text: Zina Luckow

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