Hanybal – Fleisch // Review

Ob zu wenig Klickkäufe, zu weit weg vom Lelele-Zeitgeist oder schlicht die falsche Promo-Strategie: An der Musik von »Fleisch« lag der ausgebliebene Erfolg jedenfalls nicht.


(Azzlackz/Universal Music)

Wertung: Vier Kronen

Okay, alle Veganer kurz durchatmen. Auch ihr könnt das jüngste Hanybal-Album selbstverständlich mit reinem Gewissen genießen. Denn während der Wolf auf dem Cover tatsächlich frisch erlegtes Wild zum Rudel bringt, findet sich Hany-Mufasa in seinem eigenen Jagdgebiet wieder: Auf den Straßen des Frankfurter Problembezirks Nordweststadt. Hier zählt vor allem Geld machen. »Wenn nicht mit Rap«, dann eben mit dem Verkauf illegaler Substanzen. Ja, der 35-jährige Azzlack wagt sich thematisch auch in seinem dritten Album nicht weit über den eigenen Bordstein hinaus. Muss er aber auch nicht. Auf »Fleisch« jagt dafür eine zitierfähige Punchline die andere, die Hooks brennen sich tief ins Gedächtnis und Hit-Produzenten wie Jimmy Torrio und Lucry sorgen für angenehm zeitgemäße Grundgerüste auf denen sich der Protagonist mit seinen Eigenarten frei entfalten kann. Oder wie dieser es bereits in der allerersten Strophe formuliert: »Dreh am Rad und werd gefragt, ob ich spinnen tu/Fick deine Mutter, ich bin so«. Genau deswegen tut er auch weiterhin so, als hätte er noch nie etwas von diesem Autotune gehört. Stattdessen imitiert Hanybal (wenn er nicht gerade spittet) mit seiner Stimme Scratches (»Streetlife«) oder singt einfach trotzdem, wenn auch etwas schief. Letzteres führt in »Schleudern« mit Celo & Abdi, einer lupenreinen Straßentragödie mit absoluter Ohrwurmgefahr, auch zu einem der Höhepunkte des Albums, ja des bisherigen Deutschrap-Jahres. Ein weiterer solcher ist nicht zuletzt, dass East-Coast-Legende Prodigy vor seinem Tod 2017 den Weg ins Studio mit Hanybal und wohl einer seiner letzten Parts auf diesem Album Platz fand. Trotz all dem auf der Habenseite, kann »Fleisch« letzten Endes nicht mal die Chartplatzierung des ersten Albums »Weg von der Fahrbahn« übertreffen. Ein ernüchterndes Ergebnis für Hanybal, der im Zuge dessen bereits ein baldiges Karriereende in Aussicht stellte. Ob zu wenig Klickkäufe, zu weit weg vom Lelele-Zeitgeist oder schlicht die falsche Promo-Strategie – all das ist reine Spekulation. Unterkriegen lassen wird sich Sascha-Ramy Nour sicher nicht.

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