Haiyti – Perroquet // Review

Haiyti bleibt auf »Perroquet« die Künstlerin, die sie schon immer war - ungreifbar, radikal und in Bestform.

(Haiyti/Vertigo)

Wertung: Fünf Kronen

Zu tief in die Analyse muss man bei »Perroquet«, Haiytis zweitem Studioalbum, eigentlich gar nicht gehen. Denn die fünf vorab releasten Singles stellten schon vor Release endgültig klar: Diese Frau kann verdammt gut rappen. Wer ihr das bis dato absprechen wollte, wurde spätestens von den irren Reimpattern auf »Barkash« überrollt. Ihr letztes Album »Montenegro Zero« war ein Experiment, alles durfte passieren: Dancehall, NDW, Billo-Pop. Klang das noch mehr nach Kunsthochschule, wird auf »Perroquet« wieder vermehrt »Hehlerware nach Alemania« verschifft. Experimenteller Quasi-Pop weicht messerscharfen Mafia-Ansagen zwischen Highlife und Gosse, Haiytis Narration bewegt sich irgendwo zwischen St. Paulis dunkelsten Seitenstraßen und den Modeboutiquen auf der Via della Spiga – und ist somit das Baby der bourgeiosen Aufmachung ihres Major-Debüts und der kühlen Ästhetik ihrer Trap-Tapes. Für die zehn Tracks hat Deutschraps femme fatale ein paar Gänge zurückgeschaltet. Gut so. Nicht so bunt, nicht so crazy, dafür runtergestrippter Sound, der zeigt: Von all ihren Figuren steht Haiyti die der kompromisslosen Trap-Queen am besten. Düster klingt das trotzdem nicht, weil Robbery sich eben nicht beschränken kann: So schimmert der Gangster-Pop bei »Chatboy« oder dem ungemein unterhaltsamen Club-Tune »Droptop« mit HH-Kollege Milonair weiterhin durch. Über das inhaltslose Konsumgequatsche mag man sich zunächst wundern. Doch das Großartige findet man zwischen den Zeilen, wenn Haiyti die platte Narration punktuell aufbricht: »Cappuccino in Mailand/Der Designer ist China« oder »Ob das Kaschmir ist? Frag mich nicht!« – Haiytis Message bleibt herrlich unklar und switcht gekonnt zwischen Braggadoccio und Gleichgültigkeit. Was in der Vergangenheit streckenweise frustrierend war, entpuppt sich auf »Perroquet« als erfrischendes Element: Haiyti ist als Künstlerin und Person auch im Jahr drei nach »City Tarif« nicht greifbar. Sie bleibt radikale Künstlerin und uns als sturköpfige Ausnahmerapperin erhalten. Wie gesagt: Das geht vielleicht schon viel zu tief. Erfreuen wir uns einfach an Reimketten wie »Meine Schuhe schocken, und die Groschen droppen/Ich muss Promis blocken, meine Tipps, sie kosten« (»Es kostet«), die sich einfach verdammt geil anhören. Mit einem verkappten Mixtape und ohne großes Trara gelingt so ein neuer Höhepunkt in Haiytis Diskografie.

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