GPC: »Ich hab schon hart ekelhafte Texte – gerade die alten« // Interview

GPC ist Kult – zumindest für eine immer größer werdende Gemeinde von Anhängern. Spätestens seit ihn Rin in seinem Hit »Blackout« zitiert hat (»Hose: 5-0-1, Levis/GPC, 8 und 4, du weißt!«), gilt der Offenbacher Rapper als Geheimtipp aus dem Untergrund. Nach einer Pause von vier Jahren erscheint nun Anfang Oktober sein inzwischen achtes Soloalbum. In seinem ersten Interview mit der Musikpresse erzählt er von seinem Werdegang, von seinen musikalischen Einflüssen und warum man erst in letzter Zeit verstärkt auf ihn aufmerksam wurde.

Geboren wird er in den späten Siebzigern als »typisches GI-Kind«, als Sohn einer Deutschen und eines US-amerikanischen Soldaten im Kreis Offenbach. Dadurch kommt GPC – die Abkürzung soll angeblich für »Gorilla Pimp Charly« oder »G-Punkt-Champion« stehen – schon früh mit HipHop-Musik in Berührung: »Ich hab Rap von der Pike auf gelernt – schon in den Achtzigern: Beastie Boys, Fat Boys, Run DMC –, ich hab jede Folge ‚Yo! MTV Raps‘ auf VHS aufgenommen. Alles, wo gerappt wurde, hab ich aufgesaugt. Aber auch das ganz frühe deutsche Zeug: Fresh Family, Advanced Chemistry, Rödelheim Hartreim Projekt. Ich war also schon immer in beiden Filmen unterwegs.«

Inspiriert von dem Südstaatensound, den Master P und Three 6 Mafia damals popularisieren, beginnt er um die Jahrtausendwende, eigene Songs zu schreiben. Die Anfänge sind allerdings noch sehr bescheiden: »Die Quali war schon hart mies. Ich hab’ damals mit einem Durchsagemikrofon von einer U-Bahn in einem Schrank aufgenommen. Also richtig untergrund. Mein Produzent hat das Teil damals auf einem Flohmarkt gefunden und repariert.«

Zu dieser Zeit sind in Frankfurt natürlich Azad und sein Albumklassiker »Leben« der Maßstab. »Das war halt noch ‚keepin’ it real‘. Die vier Elemente und so. Mit der Mucke, die ich damals gemacht hab, habe ich hier so gut wie keinen Anklang gefunden. Jeder, der das gehört hat, hat gemeint: ‚Rap über Nutten und Crack? Was soll das? Das hat doch mit HipHop nichts zu tun!’«

Obwohl man die Anfänge des ­deutschen Battlerap mit Konkret Finn auch in Frankfurt verorten kann, ist es der harte Sound aus Berlin, wo beispielsweise der junge Kool Savas mit pornografischen Metaphern und politisch unkorrekten Punchlines auffällt, von dem sich GPC mehr angesprochen fühlt. »Das war lustig, das fand ich gut. Deswegen war es dann kein Problem für mich, auch über solche Themen zu rappen.«

Um 2003 kommt GPC dann mit der Untergrundszene der Hauptstadt in Berührung. Schon zuvor hat er vor allem die Musik aus dem Umfeld von Berlin Crime gehört. »Das waren Kassetten, die ich mir hier in nem Bongladen geholt hab. Da stand die Nummer drauf von 24/7-RecordzZ aus Hannover, wo ich dann angerufen hab.« Damals nehmen viele Berliner in dem Studio in Hannover auf, wo auch die frühen Alben von Bushido entstehen. Es kommt zum Kontakt mit King Orgasmus One, dem GPC sein Demo schickt. Im Anschluss verbringt GPC viel Zeit in Berlin, wird Teil der Splater Connection um Kaisaschnitt und lernt über ihn schließlich Blokkmonsta kennen. Seine ersten Alben erscheinen dann ab 2004 über den Untergrundvertrieb Distributionz. »Am Anfang war ich noch skeptisch: ‚Echt? Ihr wollt das pressen?‘ Und die meinten: ‚Ja, logo! Warum nicht? Die Leute werden das schon mögen.’«

Im Laufe der Jahre wird ihm mehrfach angeboten, für seine Musik nach Hannover oder nach Berlin zu ziehen. »Aber ich kann meine Songs da nicht machen. Diesen Film in Frankfurt und Offenbach, der mich inspiriert, den muss ich um mich haben.« Also hat er lieber für eine Weile in einer Ein-Zimmer-Wohnung im Westen von Frankfurt aufgenommen. »Das war total punkermäßig: also mehr saufen und kiffen als Musik machen. Ich hab dann auch eine Weile Hartz IV gechillt und konnte machen, was ich wollte. Egal wo ein Mikrofon stand – da hab ich aufgenommen. Ich hatte ja keine großen Ansprüche.«

Die Alben aus dieser Zeit erscheinen auf selbstgebrannten CDs in Slim Cases, wofür GPC sein eigenes Label Mainimperium gründet. Auch heute noch geht es ihm in erster Linie um Unabhängigkeit – vor allem finanziell. »Ich will nicht darauf angewiesen sein, mit Musik Geld zu verdienen. Dann hätte ich ja den Zwang, Musik zu machen, die möglichst vielen Leuten gefällt.«

Diese kompromisslose Untergrundattitüde scheint sich dennoch auszuzahlen. Inzwischen bekennen sich zahlreiche etablierte Künstler zu GPC und erweisen ihm Respekt. Von der neuen Generation aus Berlin sind es zum Beispiel Fruchtmax oder Nura von SXTN, die ihm Props geben. »Das ist schon komisch. Manchmal frage ich mich, wie die mich überhaupt kennen können. Oder wenn Lex Lugner aus Salzburg zu mir sagt: ‚Bei mir zu Hause hört dich die ganze Straße. GPC ist hier voll am Start.‘ Dann denke ich mir: ‚Wow, eigentlich hast du es inzwischen schon weit gebracht – zumindest, was deine Reichweite angeht.’«

Rin hat sicherlich einen großen Teil dazu beigetragen: Wenn er »Blackout« auf dem splash! spielt, dann schreien tausende Fans vor der Hauptbühne GPCs Signature Addlib »Grooob!«. »Ich find das oberkrass, dass Rin das macht und von sich aus sagt: ‚GPC, 8 und 4, du weißt.‘ Dem bringt’s ja nichts, mich zu erwähnen. Das ist schon eine obernette Geste von ihm! Es belastet mich auch sehr, dass wir uns bisher noch nicht kennengelernt haben«, lacht er.

Auch Yung Hurn zählt zu GPCs Verehrern. Das wiederum beruht auf Gegenseitigkeit: »Egal, was Yung Hurn macht, ich kann es nachvollziehen. Jeder Song gibt mir was.« Folgerichtig ist der Wiener Schönling auch auf GPCs aktuellen Album vertreten, ebenso wie Haiyti aus Hamburg, die ihn in einem Interview als Inspiration und sogar als einen ihrer Helden bezeichnet hat. Die beiden kennen sich aber bereits seit Jahren. »Ronja [Haiyti; Anm. d. Verf.] war schon bestimmt um 2011 oder noch früher hier in Frankfurt, hat mit uns gechillt und Mucke gemacht. Sie kommt sozusagen aus der gleichen Ecke. Ich kenne keine Frau, die genauso wie sie diesen Film fährt. Im Moment hat sie ja einen krassen Hype, und ich feiere es, dass sie gerade so erfolgreich ist.«

Als Haiyti ihn im Frühjahr bei einem Auftritt in Frankfurt für einige Songs auf die Bühne holt, reagiert das Publikum jedoch sichtlich irritiert. GPC winkt ab: »Ja, Standard. Wir sind hier in Frankfurt. Die Leute sind nicht auf die Texte klargekommen. Die wollten das nicht hören. Haiyti-Fans sind wohl nicht automatisch GPC-Fans.« Er lacht und erklärt: »Wenn Menschen meine Musik nicht feiern oder nicht verstehen, dann mag ich es auch nicht, vor denen zu spielen oder mich zu rechtfertigen. Aber ich hab schon hart ekelhafte Texte, gerade die alten – eben weil’s mir scheißegal ist, wie das ankommt oder ob man’s verkaufen kann. Ich will das einfach so machen, wie es rauskommt.«

Denn nicht nur wegen seiner expliziten Themenwahl ist seine eigenwillige Musik nicht für jeden geeignet. Neben dem Trash Appeal, auf den man stehen muss, ist es vor allem sein trockener und derber Humor, den man teilen muss. »Als halber Amerikaner bin ich ja zum Beispiel mit Def Jam Comedy aufgewachsen, wo Schwarze darüber rappen, dass sie froh sind, so fett zu sein und keinen Hals zu haben, damit der Ku-Klux-Klan sie nicht aufhängen kann. Das ist genau mein Humor. Ich selbst finde meine eigenen Texte auch megalustig.«

GPC ist deswegen nicht gleich eine Witz-, aber – wie die meisten Rapper – natürlich ein Stück weit eine Kunstfigur, die mal mehr, mal weniger mit der Privatperson, die dahintersteht, deckungsgleich ist. Aber es ist ihm wichtig zu betonen, dass sein Alltag und seine Lebenswirklichkeit sich immer in seinen Texten wiederfinden. »Wenn ich sage: ‚Ich chill mit Skinheads und rauch Joints mit Zigeunern‘, dann ist das natürlich lustig gemeint. Ich häng ja nicht in echt mit Nazis ab. Aber wenn dann Leute zu mir kommen und sagen: ‚Frauen ficken, Crackküchen, dies und das – wie kannst du so was bloß in deinen Texten verherrlichen?‘, dann sag ich: ‚Wir können gerne zusammen ins Frankfurter Bahnhofsviertel gehen.‘ Dort hockt ein sehr guter Bruder von mir und raucht Cracksteine. Seine Schwester ist mit 21 gestorben. Das ist real. Ich will mich nicht darüber lustig machen, aber solche Sachen sind einfach da und gehören zu Frankfurt dazu. Wenn du als Kind hier rumläufst, dann ist das faszinierend. Genauso wie das Rotlichtmilieu und alles Verbotene. Und wenn ich hier wohne, warum soll ich das dann nicht für meinen Rap nutzen? Soll ich etwa wie Blumentopf über Leben in der Reihenhaussiedlung rappen?«

Das tut er dann auch nicht auf seinem aktuellen Album »Grob sei Dank«. Neben Yung Hurn und Haiyti schart er lieber Blokkmonsta, Frauenarzt, KDM Shey und andere Weggefährten aus dem Untergrund um sich. Für die Produktionen sind dieses Mal AsadJohn, Lex Lugner und Bighead verantwortlich. Für GPC ist das aber kein muskalischer Neuanfang: »Der angesagte Sound von heute hat sich in meine Richtung entwickelt: Heute ist ein Rap-Beat ja ein Trap-Beat. Bei mir aber haben die HiHats schon immer gerasselt und die Bässe waren schon immer so, wie sie sind. Das mache ich ja seit Tag eins. Mein Film ist der Süden: Texas, Memphis, Atlanta. Deshalb sage ich auch: Würde ich heute anfangen zu rappen, wäre ich 100-prozentig ein Cloud-Rapper.« (lacht)

Text: Ulrich Baumann

Dieses Feature erschien in JUICE #189. Aktuelle und ältere Ausgaben könnt ihr versandkostenfrei im Online-Shop bestellen.

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