Gestern Späti, heute splash!: Die Garma Kang kommt aus dem Untergrund // Feature

Als die Garma Kang im Juli 2017 erstmals beim splash! auftritt, sind gerade mal eine Handvoll Songs und das »Mixtape.zip« veröffentlicht. Ein Solo-Tape des Crew-Mitglieds Eazy und einige (Späti-)Gigs später kristallisiert sich die Erkenntnis heraus: In Zukunft ist im Deutschrap-Kosmos mit der Kang zu rechnen. Und die Zukunft ist jetzt.

Ein verregneter Montagabend in Kreuzberg. Wir sind in der Kneipe »Zum kleinen Moritz« verabredet – auf ne Molle am Moritzplatz. »Hier treffen wir uns oft, um in den Abend zu starten«, erklärt Ricky Tan. »Seitdem der Laden nicht mehr ‚Zum kleinen Mohr‘ heißt, fühlen wir uns hier auch wirklich willkommen«, ergänzt Eazy, der ghanaische Wurzeln hat, mit einem breiten Grinsen. Wer sie sind? Ein Haufen 20- bis 30-Jähriger, der viel Zeit miteinander verbringt und die Vision eines kreativen Gesamtwerks teilt. Beigegawd, Eazy, bel owrd und Ricky Tan sind die MCs. MathisTypeBeats und Jewelz produzieren. Letzterer ist außerdem für das Mixing und Mastering verantwortlich. Tatjana, Schmennis, Malcolm und Dahahm kümmern sich um alles, was mit Ästhetik zu tun hat: Sie schießen Fotos, kümmern sich um die visuelle Aufarbeitung der Songs, entwerfen Artworks und Designs für das Merchandise. Teamwork makes the dream work.

»Wir repräsentieren Berlin.«

Dabei vereint die Kang so ziemlich alle Kulturkreise dieses Erdballs, was auch auf die Musik abfärbt: MathisTypeBeats hat einen Techno-Background, Eazy lässt sich von französischsprachiger Musik inspirieren, bel owrd hat mal – »kein Spaß« – im Knabenchor gesungen, was ihn bis heute prägt. So entsteht Musik, die in der Deutschrap-Landschaft ihresgleichen sucht. Einer ihrer ersten Tracks »Hits in der Dropbox« – der ScHoolboy Qs »THat Part« sampelt – beweist außerdem, dass die Crew es versteht, den Spagat zwischen deutschem und englischsprachigem Rap zu meistern – auf völlig unverkrampfte Art und Weise. Schließlich stellt die Kang mit Beigegawd, der in Sacramento aufgewachsen ist, einen waschechten Amerikaner, dessen Parts für Abwechslung sorgen. »I actually write all the lyrics for everyone in Garma Kang. That’s why all the German lyrics suck«, so Beige, der die deutsche Sprache zwar einwandfrei versteht, beim Sprechen aber seine Muttersprache bevorzugt. Gelächter. »Wir repräsentieren Berlin«, sagt Ricky Tan über ihre vielfältige Musik. Beige­gawd fügt hinzu, diesmal in vollem Ernst: »The most interesting thing about Garma Kang is the differences between us. That’s what makes us who we are. That’s our strength.«

Fragt sich nur, wie ein solches Sammelsurium kreativer Köpfe zueinanderfindet. »Eazy, Beigegawd, Schmennis und ich haben uns bei Snipes kennengelernt, wo wir eine Zeit lang gearbeitet haben«, führt Ricky Tan aus. »Enrico, der Manager, der uns alle eingestellt hat, ist also dafür mitverantwortlich, dass die Kang entstanden ist. Der Rest hat sich im Laufe der letzten zwei Jahre wie von selbst gefügt. Im Prinzip sind wir nichts als ein großer Freundeskreis.«

Sobald die Temperaturen wieder steigen, ist mit neuem Output der Kang zu rechnen, der über das eigens gegründete Label »YOOF Records« erscheinen wird. Anschließend wird die Musik auf ihre Bühnentauglichkeit getestet. Der Auftritt auf der Backyard-Stage beim splash! war erst der Anfang. bel owrd hält fest: »Auf dem splash! hat man gemerkt, dass die Leute Bock auf das haben, was wir machen. Wir werden dieses Jahr auf jeden Fall wieder da sein. Vor oder hinter der Bühne? Wird man sehen!« Was in Beigegawds Worten so viel heißt wie: »Anywhere we go is a party. We pull up, we fuck shit up, we make friends, we make enemies, we make music and we change lives.«

Foto: @jvstakid

Dieses Feature erschien erstmals in JUICE #185. Back Issues können im Shop versandkostenfrei nachbestellt werden.

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