Genetikk – FUKK GENETIKK // Review

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(Selfmade Records/Universal)

Wertung: Vier Kronen

Die Genetikk-Metamorphose klingt nach den Kostümklassikern der vergangenen Karnevalssaison: Clown, Alien, Samurai. Jede Rolle geprägt vom Außenseiter-Dasein, dem Oberthema des Albums. Doch lieferte das Saarbrücker Kollektiv zuletzt immer ein Gesamtkunstwerk, ist »Fukk« eher ein loser Song-Verbund. Da sind die Szenen schön geschrieben, doch dem Film fehlt das Konzept. Eine Rahmenhandlung – sei es nun, wie bisher etwa, die Alien-Invasion oder die göttliche Schöpfung. Zumindest in der ersten Single »Peng Peng« hüllen sich GNKK ins Indianergewand. Doch das Kernmotiv des Songs, die Zwei-Finger-Gen-Himmel-Geste, wirkt nicht nur fad, auch erinnert der Track zu stark an »Wünsch dir was«: Kinderchor, Indianerdude, das große Monster Uncle Sam. Generell geben sich G-N-Doppel-K auf »Fukk« gesellschaftskritisch. Ein guter Vorsatz, der leider im eigenen Paradox verpufft. So doziert Karuzo zwar über die Klauen des Kapitalismus, Blutdiamanten und die Vertreibung indigener Völker; jettet aber schon nach der nächsten Hook mit seinen Boys um den Globus, rappt sich in die Betten diverser Tumblr-Girls und liefert Fashion-Talk in bester Pretty-Motherfucker-Manier. Das könnte funktionieren, würde das Kollektiv den eigenen Konflikt zwischen politischem Bewusstsein und Good Life auch ansprechen. Doch Karuzo vermeidet die thematische Vermischung. Es wird entweder mit Zeige- oder mit Fickfinger gerappt – und so bleibt die Geste meist Pose. Die Rolle des Aussätzigen: mehr Verkleidung denn Verkörperung. Eine Maskerade eben. Dennoch: Für sich gesehen funktionieren die Songs. Wie gewohnt schneidert Sizza seinem Dago-Compañero die Beats auf die Stimme und Kappa rotzt mit seiner Alles-Oder-Nichts-Attitüde über die Instrumentals. So ist es vielleicht die größte Stärke des Deutsch-Italieners, Plattitüden durch seine Delivery Glanz zu verleihen. Da klingt »früher hatte ich zu wenig zum Leben/heute zu viel zum Sterben« so, als wäre Kappa-Alpha-Ruzo der Erste gewesen, dem dieses gewitzte Gegensatzpaar eingefallen ist. Die Sikk-Karuzo-Symbiose bleibt schlicht dope. So sehr, dass ein Part von Asap-Mob-Member Nast zur Randnotiz wird. Versuchten deutsche Rapper in der Vergangenheit, den Vibe von Ami-Produktionen zu adaptieren, schlitterten sie oft Richtung Fremdscham. Bei Genetikk keimt hingegen auch in schlichten Reimen nach wie vor keinerlei Peinlichkeit auf.

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