G-Eazy – The Beautiful & Damned // Review

(RCA / Sony Music)

Verdammt schön. Schön verdammt. Das ist die missliche Lage, in der sich G-Eazy gefangen sieht. Was nützt es, 30.000 für Linguine hinzublättern und die Welt von London bis nach Tokyo zu bereisen, wenn die Gefühle taub von eben diesem Überfluss sind? Dazu gesellt sich ein ernsthaftes Drogenproblem, dem er sich voll bewusst ist. Verzweiflung macht sich breit im Multimillionär – nur ein billiger Jack Daniels beruhigt ihn wieder. Zumindest vorübergehend. Am Tag darauf kriecht ihm der Horror schneller zurück in Mark und Bein, als er »Godamn, that bitch lit« sagen kann. Auf der Flucht ist der unentwegte Grind zur schmerzlindernden Ersatzhandlung geworden. Ein Teufelskreis und ein qualvolles Tasten durch die nebulöse Außenwelt, die zwar viel Materielles zu bieten hat, aber das Loch im Innern niemals zuschütten kann. So dreht sich G-Eazy, der sich gezwungen sieht, mit seiner Freundin während seiner Tour per E-Mail Schluss zu machen, in einer Misere und schwankt in seiner Berichterstattung zwischen Angeberei und nachvollziehbarer Reflexion. Raptechnisch entspringt daraus eine weitgehend Trap-freie und abwechslungsreiche Platte: Melodien, Samples, Scratches sowie Sechzehner mit Tempo. Fast rechtfertigt er sich für seinen einzigen Blick über den eigenen Schmerz hinaus, wenn er mit »Drew Love« nahezu resignierend auf die derzeitigen politischen und gesellschaftlichen Tragödien seiner Heimat, die USA, blickt. In grellem Gegensatz zu all dem inszeniert er ein perfektes Starleben auf seinem Instagram-Channel, wo er sich lächelnd und auf Kuschelkurs mit der Rap-Elite Amerikas zeigt, seinen Arm freundschaftlich um Snoops Schultern gelegt und in Gespräche mit Pharrell vertieft. Anscheinend hochzufrieden posiert er auf Yachten, seine Freundin stets im Schlepptau. Wie so oft avanciert hier die Social Media zur Inszenierung eines erfüllten Lebens, das so nicht existiert. Doch »The Beautiful & Damned« macht Schluss mit der Maskerade.

Text: Jan Burger

The Beautiful & Damned [Explicit]
  • BPG/RVG/RCA Records
  • MP3-Download

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