Fatoni & Dexter – Yo, Picasso

fatoni_dexter_yo_picasso_cover

(WSP Records/Chapter One)

Wertung: Fünf Kronen

Seien wir mal ehrlich: Wäre es überhaupt denkbar gewesen, dass »Yo, Picasso« wack wird? Die ultimative Underground-Kombo aus dem besten Mittelstandsrapper-Turned-Misanthrop, Fatoni, und dem wohl musikalischsten Kinderarzt seit Dr. Doolittle, Dexter, ist genau jene haptisch-gewordene Traumvorstellung eines jeden Realkeepers mit Affinität zum Augenzwinkern, die ihr gemeinsamer Track auf Dexters »Palmen und Freunde« bereits versprach. Fatoni, der 2013 mit »Nocebo« an der Seite von Edgar Wasser auch dem letzten Deutschrapkiddie seine Dopeness begreiflich machte, unterlässt hier Gott sei Dank pseudolustige Unannehmlichkeiten wie die letztjährige Dexter-Kollabo »Dicke Hipster« und ist back auf seinem Bullshit. So zeichnet sich etwa »Benjamin Button« nicht nur durch die intelligente Untersuchung über den Karriereverlauf alternder Rapper als dringendstes Statement zum Thema »erwachsener Rap« aus, sondern erfasst auch jenen Umstand, der Fatoni seit Jahren zum Lieblingsrapper deiner Lieblingsrapper macht: Er ist nicht nur Rapper, sondern vor allem Rap-Fan (geblieben). Heißt: keine pseudo-deepen Gemeinplätze, keine bemühte Live-Band-Instrumentierung, kein Klarnamenswechsel, sondern die simple Methode, Punchlines auf Beats zu kicken. Insbesondere auf Themensongs kommt seine scharfsinnige Beobachtungsgabe zum Strahlen. Zwischen All-Inclusive-Urlaub, Alkoholikerbiografien oder Nachbarschaftsproblemen werden allerlei Kulturphänomene schwarzhumorig analysiert: »Das ganze Leben ist ein Teufelskreis/Und während du ins Bounty beißt, träumst du von der Meuterei«. Dexi, der sich standesgemäß auch zu einem lockeren 16er hinreißen ließ, macht sich weiterhin an der Beatmaschine vor allem mit Jazz-, Prog-Rock- oder Bollywood-Samples zu schaffen und damit eigentlich alles wie immer – sprich: richtig. »Yo, Picasso« demonstriert somit vorbildlich, dass straighte Rapmusik auf Sample-Beats keine Frage des Zeitgeists, sondern des Anspruchs ist. Dass »Kann nicht reden ich esse« obendrein mit einem Kryptik-Joe-Feature die vermutlich unerwartetste Deutschrap-Kollabo 2015 auffährt, wird da fast zur Randnotiz.

Text: Fionn Birr

 

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