Deutschrap-Klassiker: Fünf Sterne Deluxe – 5 Sterne Deluxe (Video)

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»Look up in the sky … was siehst du?« – Wobei, den Blick muss man dieser Tage gar nicht gen Himmel richten, um sie zu sehen, die Fünf Sterne. Vorgestern bestiegen Tobi Tobsen, DJ Coolmann, Marcnesium und Das Bo alias Fünf Sterne Deluxe beim Beats auf der Bahn-Festival in Hamburg nach gefühlten dreitausend Jahren zum ersten Mal wieder gemeinsam eine Bühne. Diese HipHop-historische Steilvorlage verwerten wir treffsicher und schwelgen ganz nostalgisch in Erinnerungen an den Hamburg-Hype, der in der zweiten Hälfte der Neunziger so ziemlich alles in den Schatten stellte.
 
1997: Deutschraps Verlangen, Ghetto zu werden, hält sich stark in Grenzen. Auch seitens der Hörer fordert noch niemand eine eingedeutschte Version amerikanischer Gangsta-Rap-Klischees. Stattdessen ist die Verwendung von Kraftausdrücken überschaubar, es geht primär um Wortwitz. Zu den Protagonisten der in Mainstream-Medien später gern als »Blödel-Rap« bezeichneten Musik gehören auch Mirko Bogojevic und Tobias Schmidt aus Elmshorn. Als Der Tobi & Das Bo veröffentlichen sie 1995 mit »Genie und Wahnsinn liegen dicht beieinander« ein Album, das nicht überall in der Szene mit offenen Armen empfangen wird. Gerade ernstere Künstler üben immer wieder Kritik an den beiden Wahl-Hamburgern – auch die »Freestyle«-Moderatoren Torch und Scope haben in ihrer Sendung kaum nette Worte für das Duo übrig.
 
Aber unterkriegen lässt man sich deshalb nicht. Zusammen mit den Homies Coolmann und Marcnesium gründet man Fünf Sterne Deluxe und stellt sich Rap-Deutschland erneut vor. Und das mit einem Track, der heute getrost als legendär bezeichnet werden darf: Die Single »5 Sterne Deluxe« wird damals stilecht in den New Yorker D&D Studios abgemischt – sicher einer der Gründe, warum dieser Beat auch 16 Jahre später noch ordentlich knallt. Auch videotechnisch wurde nicht gekleckert, sondern geklotzt: Im Smoking flanierte man in Cannes entlang der Strandpromenade, unternahm eine Spritztour im Schnellboot durch den Hafen und zeigte sich auf den roten Teppichen der Stadt. Bo mutmaßte als selbsternannter »Karl Dall der Reime, der Mike Krüger des Rap« damals: »Nicht chartkompatibel und doch besser.« Grobe Fehleinschätzung, die Zeit sollte ihn eines Besseren belehren: Über 150.000 Einheiten wurden bis heute vom Fünf-Sterne-Debüt »Sillium« abgesetzt.
 

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