DaBaby – Kirk // Review

Kürzlich veröffentlichte DaBaby das Video zum Über-Hit »Bop«. Der Track stammt aus dem Album »Kirk«, das neben dem üblichen Turn Up auch die Beziehung zu seinem verstorbenen Vater aufarbeitet.

(Interscope Records)

Wertung: Viereinhalb Kronen

Mit seinem ersten Mixtape »NonFiction« begann 2017 DaBabys Traum. Zwei Jahre, acht Releases (!) und einen Major-Deal später veröffentlichte das Arbeitstier aus Charlotte sein, inzwischen Gold zertifiziertes, Debütalbum »Baby on Baby«. Der 27. März markierte den vorläufigen Höhepunkt seines musikalischen Erfolges, die Single »Suge« kletterte auf die Nr.1 der Billboard Charts. Doch die Freude darüber rückte schnell in den Hintergrund: Noch am selben Tag erreichte DaBaby die Meldung vom Tod seines Vaters. Auf den Tag genau sechs Monate später veröffentlichte Baby Jesus sein zweites Album, auf dessen Cover man den jungen Jonathan auf dem Schoß seines Vaters sitzen sieht, der Titel trägt den Nachnamen, den sich beide teilen. »Kirk« ist wie sein Vorgänger über weite Strecken ein von Carolina-Local JetsonMade produziertes und aggressiv berapptes Album, das mit einer Spiellänge von nur 35 Minuten wie ein einziger mitreißender Flex wirkt. Die Tracks »Off The Rip«, »Prolly Heard«, »Vibez« und »Really« bieten den gewohnten Sex-Talk, das überreizte Adlib-Game und die aggressive Attitude DaBabys, die nicht selten in völlig wahnwitzigen Lines über das Vergessen seines Twitter-Passworts enden oder zu Hooks wie »I know I look good, so take your picture« führen, tun ihr Übriges. Die reelle Absurdität in Babys Texten zeigt vor allem letztere Line, die potentiell auf die Auseinandersetzung zwischen einem Fan und Babys-Bodyguards verweist – dieser erhielt nicht das von ihm geforderte Foto, sondern landete im Koma und der Fall vor Gericht. Zwischen unzähligen »Vroom!«-Adlibs schlägt der Junge aus Charlotte auf »Kirk« jedoch auch ungewohnt ehrliche Töne an. Der Track »Gospel« bricht aus der gewohnten Soundkulisse seiner vorherigen Releases aus und liefert ein mit Gospel-Melodien untermaltes, autobiographisches Stück Musik: »I lost my daddy the same week that they lost Nipsey«, klagt DaBaby darauf. Seinen Höhepunkt findet das Album jedoch bereits auf dem »Intro«. Das rekapituliert den Todestag seines Vaters und den Kampf seiner Mutter gegen ihre Krebs-Erkrankung. Auf »Intro« und »Gospel« fällt der Vorhang des Klamauks, DaBaby verlässt seine Comfort-Zone und erstmals betritt Jonathan unmaskiert die Bühne. So bleibt ein Album, das DaBabys altbekannten Style weiterführt und gleichzeitig der tiefen Freundschaft zwischen Vater und Sohn unpeinlich Tribut zollt.

Text: Lukas Hildebrand

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