»Da schließt sich ein Kreis«: DJ Ron über den Plattenladen Kiox und Kummer (aka Felix Brummer) // Interview

Felix Brummer ist Kummer. Der Kraftklub-Frontmann begab sich mit der traurig-schönen Single »9010« auf Solo-Pfade, das dazugehörige Album »Kiox« erscheint am 11. Oktober. Und der Name hat eine Geschichte. Felix‘ Vater Jan Kummer war jahrelang Besitzer des Chemnitzer Plattenladens Kiox. Den hat Felix nun in mühsamer Handarbeit als Pop-Up-Store wiederaufgebaut – und wird auch nur dort das Album verkaufen.

DJ Ron, u.a. Host des Podcasts »Uptowns Finest«, HipHop-Kenner der ersten Stunde und Chemnitzer Original, kaufte im originalen Kiox-Shop vor 25 Jahren seine ersten Platten. Dabei wurde er u.a. von einem gewissen Trettmann abkassiert. Wir haben ihn spontan angerufen, um uns mehr über den Laden und dessen Revival erzählen zu lassen.

Welche Platten waren die ersten, die du dir im Kiox gekauft hast?
Das müsste »Coole Scheiße« von Main Concept gewesen sein. Später habe ich dort noch Platten wie Smiff-N-Wessuns Debütalbum »Dah Shinin« gekauft. Und auch Mobb Deeps »The Infamous« müsste ich da gekauft haben. Das HipHop-Sortiment war auf jeden Fall sehr gut.

War Kiox damals die einzige Vinyl-Quelle in Chemnitz?
Nein, es gab zwei Plattenläden. Underworld Records war der andere, da hat auch DJ Shusta später gearbeitet. In beiden war ich Stammgast und habe dort viel gekauft. Dadurch, dass es eben nicht so viele Plattenläden gab, gab es viele Platten logischerweise auch nur ein paar Mal in der Stadt. Ein alter DJ-Kollege von mir hat damals im Kiox gleich die sechs oder acht Exemplare einer Mobb-Deep-Single gekauft, ich glaube, es war »Shook Ones«, damit die kein anderer DJ in Chemnitz mehr auflegen kann. Generell war es zu der Zeit so, dass die meisten Platten über Groove Attack vertrieben wurden. Und für die zwei Plattenläden einer kleinen Stadt wie Chemnitz blieben dann eben nicht so viele übrig.

Der Besitzer des Ladens war zu der Zeit noch der Vater von Felix, Jan Kummer.
Genau. Über die Jahre sind wir immer mehr ins Gespräch gekommen. Wir haben oft geschwatzt, bis heute verstehen wir uns sehr gut. Jan ist generell ein engagierter und auch bekannter Akteur in der Stadt, den man immer wieder bei verschiedenen Veranstaltungen trifft. Er hat zu DDR-Zeiten auch in einer Band namens AG Geige gespielt (Felix‘ Mutter Ina übrigens auch, Anm. d. Red.). Die haben ziemlich absurde, alternative Musik gemacht und viele obskure Auftritte gespielt.

Auch Trettmann hat in dem Laden gearbeitet. Du kanntest ihn da aber bereits, oder?
Richtig. In Chemnitz gab es ein Jugendzentrum, in dem alle Leute, die etwas mit HipHop zu tun hatten, sich getroffen haben. Da haben wir uns dann auch kennengelernt. Später hat er mir dann eben im Kiox Platten verkauft und auch welche empfohlen.

Gab es Freundschaftspreise?
(lacht) Ich glaube schon. Zumindest, wenn man auf einmal gleich mehrere Platten gekauft hat. Dann konnte man schon einen guten Deal aushandeln.

Was bedeutet dir dieses Re-Opening des Shops, auch wenn es nur für eine kurze Dauer ist?
Das ist mega. Das Kiox hat eine lange Historie in der Stadt. Dass Felix auch sein Album danach benennt und so auch seinem Papa huldigt, finde ich total geil. Da schließt sich ein Kreis. Für die jüngere Generation mag die Historie nicht unbedingt so wichtig sein, es gibt aber sicher noch mehr Leute aus meiner Generation, die feuchte Augen bekommen, wenn sie an die alte Plattenladen-Generation denken. Das Kiox wurde für uns auch zu einer Art Treffpunkt, wo man mit Kumpels oder anderen DJs auch eine Tasse Kaffee getrunken und einfach gequatscht hat. Auch wenn die Kaffeetassen nicht mehr weiß sondern schon total braun oder auch schwarz waren. Generell erinnere ich mich daran, dass man in dem Laden einfach auch wirklich viel Zeit verbracht hat, weil man ja nirgendwo sonst die Möglichkeiten hatte, diese Platten zu hören. Mir fällt gerade noch eine andere Anekdote ein.

Erzähl.
Im Kiox war jahrelang die Kasse kaputt. Deswegen lag neben der Kasse immer so ein riesiger Schraubenzieher, mit dem Jan oder eben Tretti dann die Kasse öffnen mussten. Das war eines der Merkmale dieses Stores.

Text: Louis Richter
Foto: Andre Zimpel

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