Common – Let Love // Review

Keine Wut, kein Zorn - auf »Let Love« ist Liebe die einzige Antwort, die Common einfällt.

(Loma Vista Recordings/Universal)

Wertung: Dreieinhalb Kronen

Sein zwölftes Album sei eine Art Wiedergeburt. So heißt es zumindest vorab im Pressetext zum neuen Werk von Common. Mit »Let Love« kehrt die gute Seele des Conscious Rap zurück, und natürlich ist jetzt alles anders. Muss da ja stehen. Wäre sonst schwer, eine profane Platte mit elf neuen Tracks noch als Ereignis zu feiern. Zumindest bei Commons Werdegang: Bestsellerautor, Filmproduzent, Model, Aktivist und mutmaßlich rettet er nebenbei Hundewelpen. Keine Frage: Common gehört zu den Guten. Und Lonnie Rashid Lynn hat es mit 47 Jahren auf jeden Fall geschafft und den amerikanischen Traum bis ins letzte Level durchgespielt. Umso erstaunlicher, dass er noch Zeit und Motivation für dieses Album fand. Denn »Let Love« knüpft vom Sound natürlich an die Konventionen des Genres an, klingt dabei aber erstaunlich frisch und durchdacht. Klar, »Hercules« kommt trotz Produktion von Swizz Beatz wie ein unauffälliger Track der Roots daher. Doch trotzdem strahlt die komplette Atmosphäre dieses Albums eine gewisse Dringlichkeit aus. An die frühere Großtat »Like Water For Chocolate« kommt zwar nichts ran. Allerdings schafft es Common, dass diese Tracks Nostalgie und Gegenwart ohne Probleme verbinden. »Forever Your Love« fährt eine soulige Hook und Jesus im Text auf. Artig sein, heißt die Parole. Überhaupt die Liebe: Ist hier nicht nur titelgebend, sondern durchgängiges Motiv. Für Menschen und Mama im Speziellen, für Musik und ­HipHop im Besonderen. Was manchmal wie Kalenderspruch-Rap daherkommt. Hauptsache nett. Jede Zeile passend für eine Grußkarte. Passiert vielleicht einfach mit der Zeit. Common besinnt sich auf seine Stärken und nennt es eben Wiedergeburt. Die eigene Tochter wird da zur Lehrerin wie bei allen Eltern, wenn er in »Show Me That You Love« ansetzt. Sie geben uns ja so viel zurück. Liebe ist aber eben die Antwort beim US-Rapper. Keine Wut, kein Zorn. Alles entspannt, zurückgelehnt. Grundstimmung: Optimistisch. Da gab es schon deutlich unangenehmere Lebensmitten mit Krisen. Und während dieses Album läuft, stellt sich die Frage: Warum auch nicht? Common leistet solide Überzeugungsarbeit mit diesen Tracks. Was Netteres fällt einem zu diesem Album dann aber nicht mehr ein.

Text: Björn Bischoff

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