Co$$ – Before I Awoke // Review

 

Coss-Before-I-Awoke

(Tres Records)

Wertung: Fünf Kronen

Als Co$$ aus Los Angeles 2006 dank eines Songs auf Exiles Solo-LP »Dirty Science« auf dem Radar aufmerksamer Hörer auftauchte, nannte er sich noch Ca$hiu$ King. In den folgenden Monaten und Jahren erspielte er sich durch ausgezeichnete Mixtapes und Gastauftritte schrittweise immer mehr die Sympathien der kalifornischen Underground-Blase. Fünf Jahre nach seinen bescheidenen Anfängen erscheint dieser Tage mit »Before I Awoke« endlich sein erstes, echtes Album. Schnell wird klar: Der knallharte Gangster-Rap, der die Außenwahrnehmung des Millionen-Molochs L.A. über Jahrzehnte hinweg dominierte und der reflektierte Straßen-Soul von Co$$ teilen wenig mehr als die Verortung im selben geogra­fischen Kosmos. Obwohl er sich in den dunklen Ecken seiner Heimat offensichtlich auskennt, klingt sein Debüt nicht wütend oder agressiv. Die Straße ist Vergangenheit und die Musik dominiert das Jetzt, dass merkt man seinen Texten zu jeder Zeit an. Musikalisch wird das Album größtenteils von jazzigen Instrumentalen getragen, die ihm von seinem alten Freund Exile und diversen unbekannten Produzenten wie Fonetik Simbol auf den Leib geschneidert wurden. Die Beats erinnern dabei weit mehr an einen gewissen James Yancey als an Dr. Dre und DJ Quik, die Sonne Kaliforniens bleibt aber trotzdem musikalisch stets greifbar.  Trotz der vielen beteiligten Beatnasen stellt eine der beiden großen Stärken von »Before I Awoke« das homogene Soundbild dar. Die zweite ist Co$$ selbst. Er verkörpert klassische MC-Tugenden, beherrscht die Kunst, die unterschiedlichsten Themen von Religion (»No Allah«) bis Gesellschaftskritik lyrisch zu bearbeiten und braucht keine Feature-Gäste, um aus Tracks echte Songs zu machen. Folgerichtig gastieren auf seinem Debüt nur Blu, Shawn Jackson und Sene, sowie mit Aloe Blacc einer der aktuell erfolgreichs­ten männlichen Soul-Sänger. Auf dem Papier klingt das beinahe zu gut um wahr zu sein, da selbst der größte HipHop-Nazi auf diesem herausragenden Album keine Schwach­stellen finden wird, wäre ein anderes Urteil jedoch der reinste Frevel. »Before I Awoke« ist ein fast perfektes Rap-Album.



Text: Sascha Ehlert

 

 

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