Beat Power

Im letzten Jahr war die Compilation »Puzzles« die perfekte Einstiegsdroge für alle, die von der vitalen Beat-Szene rund um die Kölner Geschmacksinstanz Melting Pot noch nichts mitbekommen hatten. Suff Daddy, Hulk Hodn, Hubert Daviz, DJ Adlib, Tobrock und V.Raeter – das Aufgebot vereinte darauf quasi jeden talentierten Sample-Nerd zwischen Berlin und Kölle. Produzenten haben offensichtlich weniger als die Herren Rapper mit übergroßen Egos zu kämpfen – anders lässt es sich kaum erklären, wie bewundernswert man in dieser kleinen Sub-Szene zusammenhält.

Chef-Connecter war schon 2010 der stets beschäftige Twit One. Manchmal arbeitet er an Beats für Fleur Earth oder Miles Bonny. An anderen Tagen fantasiert er sich mit seinen Kollegen Hulk Hodn (»Testiculo Y Uno«) und Retrogott (Echoman & 4 Trackboy) absurde Namen für Instrumental-Projekte herbei – und macht im Anschluss die Musik dazu. Jetzt hat er sich wieder hingesetzt und nach »Puzzles« das zweite Klassentreffen der Beat-Bastler aus dem Boden gestampft.

»Beat Power« ist als inoffizieller Nachfolger zu »Puzzles« konzipiert und erscheint am heutigen Tag über Melting Pot Music. Das übliche Konzept von Fortsetzungen – höher, schneller, weiter – funktioniert auch in der Welt der instrumentalen Musik. Neben so ziemlich jedem, der bereits im letzten Jahr dabei war, gibt es einige Neuzugänge auf der Tracklist und somit insgesamt vier Vinyl-Seiten voller Songs. Der Profi-Beleidiger Sylabill Spill trägt ebenso einen Beat bei wie Noyland, Quo Vadis und The Beep. Von außerhalb Kölns gesellen sich zudem Dexter und DJ Ara von Walkin‘ Large (!) zur illustren Gästeliste hinzu. Ebenso wie die Exil-Bayern von den Asio Kids, die ihren Beitrag direkt aus Brooklyn Richtung Rhein schickten.

Bei über dreißig Anspielpunkten, von denen keiner nicht mindestens gut hörbar ist, fällt es erwartungsgemäß schwer, die Höhepunkte auszumachen. Nach ein wenig iTunes-Rotation lassen sich nichtsdestotrotz ein paar essentielle Momente ausmachen. Passt ja gut, dass es zu zwei davon bereits Videos gibt: »II Volo« vom Kölner Beat-Gott Adlib und »Casper« vom Öschi-Knöpfchendreher Feux. Beide Songs geben zudem perfekt den Vibe der »Beat Power« wieder. Mit einer Machtdemonstration hat das nicht viel zu tun. Viel mehr mit einem langen, verrauchten, leicht melancholischen Abend mit alten Freunden, kühlem Bier und diesem Anekdotenreiten, über die Zeit als man noch Fünfzehn und beinahe komplett sorgenfrei war.