Battle Of The Ear: Shindy – Drama // Review

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CONTRA

Wertung: Zwei Kronen

Das Problem mit »Drama« ist nicht, dass Shindy nicht immer noch einer der besten Rapper des Landes ist. Das Problem ist auch nicht, dass Michael Schindler seit »Dreams« von 2017 – das durchaus als bestes Album seiner Diskografie durchgeht – sich mehr mit Boulevardpresse und Bodyguards herumschlagen musste als mit dem nächsten Doppelreim-Kalauer. »Drama« macht vieles richtig. Die Bombast-Beats von Nico Chiara und OZ sezieren mit augenzwinkernder Detailliebe die Sample-Library eines Rap-Fans ab, der in den 2000ern sozialisiert wurde. Aaliyah, DMX, 50 Cent – der hypermaskuline Noughties-Sound liegt dem unterkühlten Tonfall von Mister Arroganz so gut auf der Zunge, er ist wohl im falschen Jahrzehnt berühmt geworden. Die subtilen Seitenhiebe an die gesamtdeutsche Pop-Industrie sind ebenfalls höchst unterhaltsam. Defshop, Snipes, JUICE – alles zu klein für den Lebemann aus der Provinz. Doch die DNA von »Drama« weist zwei Fehlschlüsse auf. Zum einen gleicht es einer kreativen Kapitulation, sich musikalisch auf Referenzen zu beziehen, die nicht einmal zehn Jahre zurückliegen. Wenngleich das hier handwerklich auf Topniveau durchgezogen wird, wirkt das Ganze nach hinten raus doch arg ideenlos. Es scheint nicht allzu abwegig, dass Shindy seine selbstgebrannte DMX-CD seit 2002 im Autoradio gelassen hat und damit gedanklich Bummtschack-Realkeepern in Snowgoons-T-Shirt gefährlich nahe kommt. Shindy, ein Backpacker im Givenchy-Pelz!? Der andere Fehler von »Drama« liegt auf inhaltlicher Ebene. Denn der eigentlich clevere Gedanke, das biedere Schwabylon als Herz des bundesdeutschen Kapitals zu stilisieren (»Deinen krassen Porsche seh ich alle zwei Minuten hier«) und damit die Bossaura in der Wiege zu haben, funktioniert nur so lange, wie Shindy im trauten Bietigheim bleibt. Jenseits des Spätzleäquators spricht es sämtlichen Rappern, die vom sozialen Aufstieg sprechen, die Existenzberechtigung ab. Shindys zelebriertes Spießertum sabotiert damit den Grundgedanken von HipHop, ohne es selbst zu bemerken. Übrigens, das Game mit den Hörspiel-Skits haben Fettes Brot 1998 schon durchgespielt, als sie die Originalstimmen von »Die drei ???« auf »Fettes Brot lässt grüßen« featureten. Das sagt auch einiges über »Drama«.

Text: Kilian Peters

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