Battle Of The Ear: Shindy – Drama // Review

Gelungenes Comeback oder Ideenlosigkeit im Givenchy-Pelz? »Drama« von Shindy hat die Meinungen der Redaktion gespalten.

(Friends with Money)

PRO

Wertung: Viereinhalb Kronen

i hätte er nach den ganzen Querelen mit seinem Ex-Label EGJ sicherlich auch das auspa­cken können. Tut er aber nicht. Ein paar kleine Anspielungen müssen reichen. Nun ist der Titel natürlich, wie so vieles beim Bietigheimer, wohl gepflegte Attitüde. Und davon lebt seine Musik zu einem großen Teil. Arrogant zurückgelehnt ist die Lieblingshaltung von Shindy. Der Rest ist akribisches Feilen an Beats und Gesamt­ästhetik. Harte Arbeit, die es locker und lässig klingen lassen soll. Was ihr meistens auch gelingt. Im Großen und Ganzen spielt Shindy auf »Drama« so befreit auf wie noch nie. Das liegt womöglich daran, dass er nun nur noch sein eigener Chef ist. So erweist es sich als großer Vorteil, dass kein Rap-Feature auf dem Album vertreten ist. Hatte sein Ex-Labelchef Bushido noch alle drei Vorgänger mit nicht wirklich zwingenden Parts verschandelt, kann Papi Pap nun endlich komplett störungsfrei sein Ding durchziehen. Der Inhalt ist fast derselbe wie auf »NWA«, »FBGM« und »Dreams«, wobei man von Album zu Album weniger aus Shindys Privatleben erfährt. Jedenfalls, wenn man nicht der Meinung ist, dass Dinge wie die Lieblingsuhrenmarke (Patek), die Lieblingshandseife (Ferragamo Tuscan Soap) und die Lieblingssüßigkeit (Raffaello) tatsächlich intim sind. Das macht aber nichts. »Drama« lebt nicht davon, dass Shindy ein Typ mit Ecken und Kanten wäre. Er setzt seine Vision als Rapper und (Mit-)Produzent inzwischen extrem schlüssig und geschmackvoll um. Dazu gehören die vielen kleinen Anspielungen und Mini-Hommagen an Deutschrap (Torch, Massive Töne) wie US-Rap (50 Cent, Fabolous, Dr. Dre). Wären die drei Interludes verzichtbar gewesen? Sicher. Ist »Honigtopf« weniger sexy als vielmehr ziemlich schmierig? Klar. Abgesehen von diesen Wermutströpfchen aber steht da ein rundes, gelungenes Album, das mit viel Liebe fürs Detail aufgenommen wurde. Und das ist dann auch einfach mal gut.

Text: Oliver Marquart

Review Nummer zwei findet ihr auf Seite 2.

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