Action Bronson – White Bronco // Battle Of The Ear

(Action Bronson Corp./ EMPIRE)

PRO

Wertung: Vier Kronen

Action Bronson. Die bloße Präsenz des wohl sympathischsten Ein-Mann-Orchesters der aktuellen Rapspielzeit ist die Definition des Alleinunterhalters. Man muss einfach lächeln, wenn der Bronsolino um die Ecke lukt. Außer die Hater, die dem King aus Queens gerne künstlerische Eindimensionalität vor­werfen, weil sein humoristischer Character sich seit nunmehr fünf Alben und etlichen Mixtapes auf die Faustformel Sample-Beat plus Punchline-Blödsinn konzentriert. Denen entgegnet Bam Bam allerdings nur: »Shut the fuck up and eat your pudding/Twenty alligators died for this shit I put my foot in«. Lol. Statt großspurigem Muckergrößenwahn wie auf manchen Teilen von »Mr. Wonderful« konzentriert sich Dr. Lecter wieder auf seine Sexyness: den Mixtape-Charme. Da werden behutsam sortierte Fusion-Jazz-Schnipsel, sensitive Soul-Flips und übersteuerte Prog-Rock-Fundstücke von den Kumpels Knxwledge, Party Supplies oder Harry Fraud so respektlos durch den Pitch-Fleischwolf gedreht, dass ganze Generationen von Rolling-Stone-Abonnenten Leserbriefkriege anzetteln würden. Nach der spektakulären Trennung von Vice scheint Bronson sein Mojo im Indierap-Grind wiederentdeckt zu haben. Das heißt: Statt eines Chorus lässt man den Song mit Saxofon-Soli oder Lines wie »I was blinded by the pussy like/Gotta make it home because my wifey said it’s cookie night« ausklingen, wenn man nicht gerade an der Seite von A$AP Rocky den Experimentiergeist der Klasse von 2012 wiederaufleben lässt. Im gleichförmigen Metro-Boomin-Zeitalter mit anderthalbstündiger Playlist und den immergleichen Stargästen des A-Liga-Rap ist »White Bronco« derartig dumm, dilettantisch und mit seinem skizzenartigen Arrangement von gerade mal 26 Minuten eine regelrechte bis bodenlose, komplett anarchistische und somit bitter notwendige Frechheit. Dreist gewinnt.

Text: Alexander Vlath

CONtra

Wertung: Zweieinhalb Kronen

Young, wild and free: Action Bronson verabschiedete sich vor einiger Zeit von seinem Label Atlantic. Denn nur in der Unabhängigkeit könne ein Künstler aufblühen und sich entwickeln, sagte er vorab. Und er blühte auf. So sehr, dass es ein Jahr nach dem letzten Studioalbum nun »White Bronco« gibt. Elf Tracks auf 26 Minuten. Und spätestens nach den ersten Momenten mit dieser Platte bleibt der Wunsch, dass da vielleicht doch jemand mal einen Einwand gegen die eine oder andere Entscheidung erhoben hätte. Denn »White Bronco« ist vor allem durchweg ein flaches Album – in der Produktion, in den Lyrics, in den Ideen, im Flow. Natürlich bleibt Action Bronson ein stabiler Rapper, der sehr genau weiß, was er kann. Doch trotzdem fehlen hier muntere Wortspiele und lyrische Fressorgien, dazu haben die wenigsten Songs einen Spannungsbogen. »Live From The Moon« leiert nur so vor sich hin, dazu gibt es per Sample ein wenig Applaus. An diesen Stellen findet sich der 34-jährige US-Rapper einfach eine Spur zu cool. Hedonismus und Selbstgerechtigkeit mischen sich auf »White Bronco« zu einer ziemlich unangenehmen Atmosphäre. Und dann kommt hinzu, dass Action Bronson einfach nichts zu erzählen hat. Alles bleibt Phrase, schon tausendfach gehört. Keine Pointen, keine Geschichten. Zu komfortabel habe sich Action Bronson zuletzt bei seinem Label gefühlt, gab er vor Veröffentlichung dieses Albums zu Protokoll. Allerdings hört sich »White Bronco« viel eher wie sein Rückzug in die eigene Komfortzone an – zumal Action Bronson jegliche Selbstironie abstreift. Stattdessen gibt es Geschichten über die Lederschuhe an den eigenen Füßen oder Erklärungen, warum Action Bronson ein Kunstwerk sei. Aber immerhin liefert der gute Mann gleich die Lösung für die Problematik mit diesem Sound, wie er in »Mt. Etna« ansagt: »My next album’s only for dolphins.« Wenn dem so ist: So long, and thanks for all the fish.

Text: Björn Bischoff

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