Bad Bunny – YHLQMDLG // Review

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Wertung: Fünf Kronen

(Rimas Entertainment LLC)

Latin Trap gibt es nicht erst seit Cardi Bs »I Like It«. Puerto-ricanische Künstler wie Arcangel und De La Ghetto verbinden schon seit Mitte der 2000er Reggaeton mit Down-South-Beats. Seit Ende der 2010er erreicht diese Musik aber ein neues Publikum. Bad Bunny hat das bislang größte Schlüsselwerk dieser Welle veröffentlicht: »YHLQMDLG«, »Yo hago lo que me da la gana« (zu Deutsch. »Ich mache, was ich will«). Durch alle Musikvideos und Visuals zum Album führt ein Junge, der eine weiße Mütze mit runden Mickey-Mouse-Ohren trägt. Der Opener »Si Veo a Tu Mamá« erzählt von Liebeskummer in Zeiten der Follower: »Ich hab dein Foto nicht gelöscht, ich hab’s nur auf privat gestellt«, singt Bad Bunny. Im Video hält der Junge mit der Ohrenmütze einen Mann vom Selbstmord ab. Ein ungewöhnlicher Einstieg. Über den Großteil seiner Laufzeit ist »YHLQMDLG« nämlich ein Partyalbum. Es geht um Off-Whites und Champion-Sweater, um guten Sex und gutes Weed. Statements macht Bad Bunny abseits seiner Texte – in der Jimmy-Fallon-Show trug er den Namen von Alexa Negrón auf seinem T-Shirt, einer Puerto-Ricanerin, die kurz zuvor aus Transfeindlichkeit ermordet worden war. Im Gegensatz zum Erstling »X 100PRE« und der J-Balvin-Kollabo »Oasis« sind die Trap-Elemente in den Hintergrund gerückt. Bad Bunny setzt sich auf »YHLQMDLG« mit Reggaeton auseinander – nicht in Form generischer Sommerhits, wie man sie hierzulande mit dem Genre assoziiert, sondern mit genre-geschichtsbewussten, experimentierfreudigen Produktionen. »A Tu Merced« zollt mit einem Dembow-Rhythmus den Wurzeln des Reggeaton auf Jamaika Tribut. Auf »Soliá« wird Bad Bunnys charakteristischer nöliger Gesang durch Vocoder-Effekte zum polyphonen Chor, dazwischen ist ein Synthesizer zu hören, der wie eine verstimmte Flöte klingt. Mit »Gasolina« hat das nichts zu tun, obwohl auch Daddy Yankee auf »YHLQMDLG« vertreten ist – und jeder andere, der in Puerto Rico Rang und Namen hat. Englischsprachige Features? Nada. Bad Bunny macht wirklich, was er will. Auf einer 20 Stationen starken Tracklist mag der Reggaeton-Rhythmus trotz der vielseitigen Produktion auch einmal langweilig werden. Darum geht es aber gar nicht, wie »Safaera« mit knapp zehn Beat-Switches beweist, Bob Marley ebenso wie Missy Elliott verwurstet und in fünf Minuten stichprobenartig durch die Geschichte des Genres führt. »YHLQMDLG« ist die Spotify-Version eines Reggaeton-Megamix – und ein sehr gutes Album noch dazu.

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