Argonautiks – Trauben über Gold // Review

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Wertung: Viereinhalb Kronen

(Walk This Way Records)

Wenn Künstler ankündigen, ein reines Battle-Rap-Album machen zu wollen, muss das im ersten Moment nicht zwingend für Jubelstürme sorgen. Klar, Battle-Rap – gab es immer, geht auch immer. Ist genau deswegen aber manchmal nur noch so mäßig spannend. Im Falle der Argonautiks (checkt hier das Interview zum Album) ist das anders: Battle-Rap bedeutet für die Teltow-Natives nämlich nicht, auf gesellschaftskritische Aussagen und politische Haltungen verzichten zu müssen. Im Gegenteil: »Trauben über Gold« geht trotz der vermeintlichen thematischen Reduzierung als wohl rundestes Album der mittlerweile zehnjährigen Bandgeschichte durch – trotz des bereits sehr guten Vorgängers »Gaffa«. Die Punchlines sind spitz, die Technik ist ausgereift, das Handwerk haben Timm und Paul im Studio-Keller in Teltow eh längst erlernt und gemeistert. »TÜG« ist aber vor allem deshalb so gut, weil inmitten aller klugen Pöbeleien und kritisierenswerten Szenevorgängen immer genug Platz für Zeilen wie »Regen fällt auf Brandenburg/ Sonnenschein auf München, Bruder, es war niemals andersrum« bleibt. Und: Weil es die Argonautiks nicht verpassen, trotz des scharfen Blickes auf die Anderen sich selbst, ihre Herkunft und ihre Werte zu umreißen: »Nazis erfinden sich wieder neu? Ich hasse das!«. Punkt. »Untergrund für immer«-Attitüde, authentisches Anti-Tum, triste Vorstadtmelancholie – die Argonautiks schaffen eine Mood- und Wortwelt, die angenehm ehrlich und reduziert wirkt. Oder wie es auf »Ok« heißt: »Ich komm aus einem Loch aus Brandenburg ohne Paradies/ Und deswegen hass’ ich Bonzen aus Prinzip«. Was die 34 Minuten aber noch klarer aus der eigenen Diskografie abhebt, sind die hervorragenden Produktionen, die größtenteils erneut von Donnie Bombay stammen. Die Drums bleiben hart, die Bässe bohren weiter kraterförmige Löcher in den Gehörgang. Hinzu kommen diesmal aber Flirts mit klassischen Dirty-South-Elementen, die sich unter die MOR-Ästhetik-Memorien mischen und einen Sound kreieren, der peitscht und wärmt, der sich zeitweise anfühlt wie eine Fahrt in einer versifften Berliner U-Bahn und zeitweise wie ein Ride mit einem Tiefergelegten über die Highways vor Houston. Die Sozialisation mit West-Berliner Battle-Rap trifft auf DJ-Screw-Vibes. Keine Widersprüche, das passt.

Text: Louis Richter

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