»Ich fühle mich ein bisschen, als wäre ich Travis Barker am Drumcomputer.« // AraabMuzik im Interview

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Zuckendes Scheinwerferlicht erhellt immer wieder den verdunkelten Raum. Auf einem mit dunklem Tuch umhüllten Tisch steht eine MPC, davor baut sich ein junger Bursche auf, der die viel zu große New Era-Cap bis über die Augenbrauen ins Gesicht gezogen hat. Ein gezielter Druck auf eine der 16 Tasten und ein kitschiges E-Gitarren-Sample gniedelt los. Das Sample verstummt für einen kurzen Moment, dann geht es los. Blitzschnell prasseln die Finger des Jungen auf die Pads nieder. Fast autistisch platziert er Hi-Hats, Kickdrums und Claps nur Sekundenbruchteile hintereinander auf dem geloopten Soundschnipsel. Das Gewitter wird von epochalen Trommelwirbeln durchzogen, ehe schlussendlich ein markanter Trademark-Shout ertönt: »You are now listening to AraabMuzik.« Der Junge an der MPC ist Abraham Orellana, 21 Jahre alt, Haus- und Hofproduzent der wiedervereinigten Diplomats und vermutlich einer der schnellsten Männer an der MPC.

Wie bist du aufgewachsen?
Ich komme aus Providence, Rhode Island. Ich war nicht gerade der bravste Junge, bin von einer Schule nach der anderen geflogen. Die Musik war mir schon damals wichtiger. Mit ihr kam ich über meinen Vater in Kontakt, als ich noch ein Baby war. Ich habe mir das Schlagzeugspielen beigebracht, als ich gerade mal drei Jahre alt war. Später spielte ich auch Klavier, fing an, richtige Stücke zu schreiben und Beats zu machen. 2005 bekam ich dann zum ersten Mal eine MPC in die Hände.

Wann hast du festgestellt, dass du ­besondere Fähigkeiten hast, was das Spielen eines ­Drumcomputers angeht?
Ich bin einfach sehr schnell mit meinen Händen. Das merkte ich zuerst beim Schlagzeugspielen und danach auch bei schwierigen Tonfolgen am Klavier. Das muss-
te ich einfach nur auf die MPC übertragen. Ich kannte dieses Gerät ja gar nicht. Anfangs war ich natürlich lange nicht so schnell und akkurat wie heute, aber ich hatte schon immer den Rhythmus. Mittlerweile spiele ich sie fünf Jahre und habe meine Schnelligkeit perfektioniert. Das heißt, ich muss nicht mehr üben. Das MPC-Spielen ist mir in Fleisch und Blut übergegangen.

Mich erinnern deine Videos immer ein bisschen an Solo-Improvisationen von Jazz- oder Rock-Drummern.
Auf jeden Fall! Ich fühle mich ein bisschen, als wäre ich Travis Barker am Drumcomputer. Ich habe noch niemanden gesehen, der so schnell ist wie ich. Auf dem Gebiet bin ich vermutlich einzigartig und…

Eine weitere Person schaltet sich in die Leitung. Es ist Dipset-Manager Duke Da God. Als er bemerkt, dass er gerade in ein Interview geplatzt ist, wird er still und nuschelt nur noch kurz etwas von einem Meeting um 15 Uhr. Die Dipset-Reunion ist in der Mache, zu viele Details in den Medien wären verheerend. Nur einen Tag nach dem Interview mit AraabMuzik veröffentlicht der Blog von Miss Info die ersten Fotos der Wiedervereinten: Cam’ron, Jim Jones, Juelz Santana und Freekey Zeeky – mit Bauarbeiterhelmen auf dem Kopf.

Nun sieht es ja danach aus, dass sich die Diplomats wieder vertragen haben. Das ­Reunion-Album ist scheinbar gemachte ­Sache. Was kannst du darüber sagen?
Noch nicht so viel. Wobei, ich kann schon, aber ich darf noch nicht. (lacht) Ich bin auf jeden Fall dabei und werde wohl auch die erste Single produzieren.

Wie kam der Kontakt zu ihnen eigentlich ­zustande?
Das war 2006, über einen Freund von mir, der ­einen guten Freund von Duke Da God kannte. Ich schickte ihm ein paar Beats, und wenige Tage später rief er mich an. Cam’ron und Hell Rell hatten schon etwas auf einen der Beats aufgenommen. Ich flog nach New York und wir machten den Deal klar. Mittlerweile bin ich meistens direkt vor Ort. Beats ­zu produzieren geht bei mir sehr schnell. Man braucht das Sample, ein paar gute Drums und dann ­vielleicht noch mal zehn Minuten, um alles ­aufeinander abzustimmen – das war’s.

Hattest du eigentlich schon mal Muskelkater nach dem Produzieren?
(lacht) Nein. Wenn niemand zuschaut, haue ich gar nicht so auf die Knöpfe, wie man es von mir gewohnt ist. Aber wenn ich ein paar Stunden lang produziere, bekomme ich ab und an Blasen an den Fingern. Deshalb tape ich mir die Fingerkuppen, wenn ich Shows spiele oder neue YouTube-Videos drehe. 
Text: Jan Wehn

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