Review: Alpa Gun – Almanci // Review

Alpa-Gun-Almanci1

 

(Sektenmuzik/Universal)

Wertung: Vier Kronen

Lange genug haben Kleinkriminelle mit gerappten Räuberpistolen aus den Großstadtghettos auf die hiesige HipHop-Jugend gezielt. Doch damit ist jetzt langsam Schluss, regelbestätigenden Ausnahmen zum Trotz. Wohl dem also, der sich von Anfang an eine eigene Nische abseits konventioneller Gangster-Romantik gesucht hat – so wie Sido-Zögling Alpa Gun. Zwar positioniert auch der sich als “Stimme der Straße” und rezitiert das “Gesetz der Gewalt”. Doch der Schöneberger gibt sich nicht mit dem Wiederkäuen tausendfach nacherzählter Gangster-Plattitüden zufrieden. So stellt sich Alpa auf dem Track “Wer bin ich?” die Frage nach seiner nationalen Zugehörigkeit und thematisiert damit seine Situation zwischen allen Stühlen – als Ausländer in Deutschland und sogenannter Deutschländer (“Almanci”) in der Türkei. Auch auf der orientalisch angehauchten Single-Auskopplung “Sor Bi Bana” geht es um dieses Gefühl von Heimatlosigkeit, für das Alpa seinen Feature-Gast Sido sogar dazu bewegen konnte, eine Strophe auf Türkisch zu rappen. Sicher können auch klassische Street-Rap-Tunes wie “So Straße” mit Alpas Crew-Kollegen von B.E.K. oder “Meine Bestimmung” überzeugen, doch die inhaltlichen Abnutzungserscheinungen lassen sich nicht verleugnen. Insofern sorgen vor allem Tracks wie die ausweglos erscheinende Geschichte in “Es gibt kein Morgen”, die gerappte Sozialstudie “Zerbrochenes Glas” und die bereits erwähnten Stücke über das Gefühl der Entwurzelung für Aufsehen. “Almanci” ist ein weiterer wichtiger Schritt für Alpa – und zwar nach vorne, weiter aus dem Ghetto heraus.

 

Text: Daniel Schieferdecker