Album des Monats: Mos Def – Black On Both Sides // Review (1999)

»Mos Def liefert mit 'Black On Both Sides' nicht nur eines der besten, reichhaltigsten und vielschichtigsten HipHop-Alben der letzten drei Jahre ab, er definiert ohne sichtbare Anstrengung auch die Standards und Inhalte neu.« Unsere Review aus JUICE #016.

(Rawkus/Zomba)
Wertung: Sechs Kronen

Da ist es nun also, eines der absoluten Highlights dieses Herbstes: Das erste Soloalbum von Mos Def, das durchaus ein paar euphorische Superlativen und Streicheleinheiten, fein verteilt über die 17 Tracks, verdient hat. Die Meßlatte hat der in Brookyln geborene MC bereits im letzten Jahr mit seinem gemeinsam mit Talib Kweli realisierten Projekt Black Star sehr hoch gelegt. Mit »Black On Both Sides« überspringt er selbst diese Hürde mühelos und bewegt sich konsequent auf einem Level, das zumindest im Moment ohne Vergleich ist. Sein Blick auf die Geschichte der schwarzen Musik und Kultur Amerikas, vollgepackt mit unzähligen Querverweisen auf die eigene Geschichte, ist auch diesmal wieder von einzigartiger Stringenz. Mit jedem neuen Projekt perfektioniert Mos Def seinen ohnehin außergewöhnlichen Reimflow weiter. Seine deepen, von oberflächlichen Allgemeinplätzen vollkommen gesäuberten Texte beamen dich direkt in das Zentrum des Geschehens. So bleibt man nicht distanzierter Beobachter, sondern verliert sich bereits nach wenigen Minuten unaufhaltsam in den fein aufeinander abgestimmten Beats, Grooves und Melodien. Die Höhepunkte aufzuzählen ist eigentlich unmöglich, denn wo soll man da anfangen, und wo sollte man aufhören? Vielleicht bei »HipHop« und »Brooklyn«, zwei intimen, sehr persönlichen Reflexionen über die Kultur, die in den letzten 20 Jahren wie keine andere das Leben der schwarzen Community verändert und bestimmt hat? Der fantastischen, jazzig verdrehten Ballade »Love« oder »Ms. Fat Booty«, der ersten Singleauskopplung, einer der besten Songs, und das will in diesem Fall wirklich etwas heißen, die Mos Def in seiner Karriere bis jetzt eingespielt hat. Bei soviel Soul, wie hier in drei Minuten komprimiert auf den Hörer hereinstürzen, gehen einem schon mal die Vergleichsmöglichkeiten aus. Maßgeblich beigetragen zum Gelingen des Albums haben neben Talib Kweli, der auf »Know That« einen weiteren unschlagbaren Beweis seiner Extraklasse abliefert, Vinia Mojica, Ali Shaheed Muhammed, Ummah, der Jazz-Musiker Weldon Irvine und natürlich der unvermeidliche Busta Rhymes, der in »Do It Now« aus seiner vorbestimmten Rolle als Pausenclown endlich wieder erfolgreich ausbricht. Mos Def liefert mit »Black On Both Sides« nicht nur eines der besten, reichhaltigsten und vielschichtigsten HipHop-Alben der letzten drei Jahre ab, er definiert ohne sichtbare Anstrengung auch die Standards und Inhalte neu, mit denen man sich Zukunft, auch außerhalb des eng-gesteckten Bezugsrahmens der HipHop-Szene, auseinanderzusetzen hat. »HipHop will simply amaze you, praise you, pay you, do whatever you say zo, but black, it can’t save you«.

Text: Norbert Schliegel

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