addeN – Neukölln (prod. Krypta Beatz) // JUICE Premiere

2019 ist addeN bereit für einen Neustart, dieses Mal leitet sie ihre Energie in die richtigen Kanäle – und das sollte einigen Leuten die Ohren schlackern lassen.

»Für Rumgebattle bin ich zu alt«, sagt ­Rapperin Adden, und Millennials dürften verwundert die Schultern zucken, weil sie noch nie von ihr gehört haben. Dabei kann die chaotische Rapperin auf 15 Jahre Karriere mit kleinen Höhen, Untergrundtiefen und einer längeren Pause zurückblicken.

Im Iran geboren, in Hamburg großgeworden und als Teenager nach Berlin-Neukölln gezogen, ist Adden auf der Straße sozialisiert. Sie wollte unbedingt den Gangster-Film fahren und hat das mit einer bedenklichen Konsequenz durchgezogen. In RBA-Runden sammelt sie Mitte der Zweitausender erste Rap-Erfahrungen, auch auf der Bühne battlet sie. Etwas später landet sie bei Basstards Label Horrorkore, ist auf einigen Features zu hören und in einigen Videos zu sehen. Von Anfang an tendiert sie zu Extremen: Sie ist hektisch, schnell, aggressiv, beeindruckend. Doch irgendwann wird es von allem zu viel und sie »musste dann mal weg«, deutet sie einen ­längeren klinischen Aufenthalt an. Hart war das, aber ironischerweise auch gut, fühlte sie sich danach doch zwangsdiszipliniert und dringend genötigt, an ihrem Aggressionsmanagement zu arbeiten. Wenn Adden heute vor einem sitzt, sind ihre Gedanken immer noch sprunghaft, die einzelnen Aussagen dafür umso klarer. »Ich sehe das mit der Vorbildfunktion heute anders. Dieses ganze Gelaber von Kokain und so: Ich sehe, wie Jugendliche heute abgehen, und weiß, dass ich Glück habe, noch hier zu sitzen.«

»Als dominante Frau wollen sich die Jungs mit dir prügeln. Da gibt es keinen Frauenbonus«

Auch ihr Selbstbild innerhalb der Szene ordnet sie längst anders ein: »Ich werde die Mutterrolle des Raps übernehmen. Ich muss nicht sexy sein – das wollte ich früher. Zu meiner Zeit hat man nicht süß und lustig mit Rappern gemacht. Aber es gab eine Akzeptanzrevolution, und mein Leben beginnt jetzt.« Jetzt, das heißt eigentlich schon letztes Jahr. Ende 2018 gibt es plötzlich ein Video zu »Hurensöhne«, das spartanisch mit dem Smartphone gedreht ist. Darin zu sehen: Eine sortierte, melodische Adden. Klare Ansagen, aber weniger hektisch, weniger aggressiv in der Präsentation. Straßenrap und trotzdem eingängig. Ein Untergrundhit für Insider. Ein weiteres Video später gibt es nun die Gewissheit, dass es eine EP geben wird. »Rap oder Bitch« könnte sie heißen, wie ihre erste Veröffentlichung vor über einem Jahrzehnt. Sicher ist sie noch nicht, sie müsse erst mal mit ihrer Gang reden, das ganze Neue wahrnehmen und verstehen. Ein Label hat und will sie nicht, ein Vertrieb kümmert sich aber um die nächsten Schritte. Bis vor kurzem wusste sie nicht mal, dass es einen Digitalvertrieb gibt. Viel zu oft musste sie sich mit anderen Dingen rumschlagen. »Als dominante Frau wollen sich die Jungs mit dir prügeln. Da gibt es keinen Frauenbonus. Und wenn ich manche Leute so Müll rappen höre wie ohne Kondom ficken, dann denke ich auch, dass ich denen auf die Fresse schlagen muss. Ich hab Leute deswegen verloren, und das tut mir in der Seele weh.«

So ganz kriegt sie die Emotionen immer noch nicht in den Griff, muss bei dem Thema direkt zwei Zigaretten nacheinander rauchen. Umso stolzer ist sie auf ihre neuen Supporter. »Da sind viele feministische, starke Frauen dabei. Ich hab unter meinen Fans noch keine Hornochsen gesehen«. 2019 ist Adden bereit für einen Neustart, dieses Mal leitet sie ihre Energie in die richtigen Kanäle – und das sollte einigen Leuten die Ohren schlackern lassen.

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