XXXTentacion – 17 // Album-Stream

»17 – A collection of nightmares, thoughts and real life situations I lived. (…) By listening to this album you’re literally entering my mind. And if you’re not willing to accept my emotion and hear my words fully, do not listen« – Mit »The Explanation« startet das Debütalbum von XXXTentacion so schonungslos wie erwartet. Was folgt, sind elf Songs voller tiefsitzender Emotionen, Abhandlungen über Depressionen, Selbsthass und Desillusion, die erahnen lassen, wieso der 19-Jährige aus South Florida das polarisierendste Gesicht des zeitgemäßen Rap-Spiels ist. Den adsurden Hype seines Breakout-Hits »Look At Me« wusste XXX vergangenes Jahr durchaus zu nutzen, nachdem er aus dem Gefängnis entlassen wurde. Die Gründe für seine Inhaftierung waren Freiheitsberaubung, Zeugenmanipulation und gefährliche Körperverletzung gegenüber seiner damals schwangeren Freundin – normalerweise driftige Gründe, einen Künstler zu boykottieren. Immerhin werden hier eindeutig fragwürdige Verhaltensweisen propagiert und ein Künstler heroisiert, der sich vermutlich selbst nicht klar ist, welchen Impact er auf junge, Hype-affine Rap-Fans hat, die unreflektiert seine Zeilen mitgrölen.

Doch XXXTentacion ist zu vielschichtig und in seiner Künstlerpersona zu divers und interessant, als dass man ihn einfach ignorieren könnte. Die Bipolarität von Jahseh Onfroy schlägt sich in seinen Texten nieder, er switcht von Song zu Song vom selbstreflektierten jungen Mann zum alleingelassenen Teenager mit suizidaler Attitüde. Mit dem Gemurmel seiner XXL-Freshman-Kollegen hat das alles nichts zu tun. Vielmehr klingt »17« nach Nirvana und Grunge-Rock, mehr selbstzerstörerisch als selbstreferentiell. Wer die komplexe Figur XXXTentacion verstehen will, der sollte unser Feature zu XXX lesen sich anschließend das Album mit ernsthafter Absicht anhören. Und dann entscheiden, ob der künstlerische Mehrwert überwiegt. Für uns tut er das momentan noch. Für Kendrick Lamar übrigens auch:

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106 Dirty South. Musik und alles andere.