SpaceGhostPurrp Interview

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Er ist erst 20 Jahre alt, hat noch keinen regulären Tonträger veröffentlicht und dennoch bereits eine Kult-­Fangemeinde im Internet um sich geschart, die ihn als neuen Heiland des Underground-Rap verehrt. ­SpaceGhostPurrp aus Miami ist der düstere Prinz des Raider Klans, einer losen Gruppierung von Gleichgesinnten, quer über den ­kompletten Globus verstreut. Mit den anderen Vorzeigerappern seiner Heimatstadt hat der lilafarbene Weltraumgeist nur wenig zu tun – dafür um so mehr mit der Musik von DJ Screw, Bone Thugs-N-Harmony und Three 6 Mafia. SpaceGhostPurrp gibt seinen Mixtapes groteske Titel wie »Nasa Underground: Lost Tapes 1997-2000 Purrped & ­Chopped«, feiert vor allem alte Memphis-Klassiker aus dem tiefsten Untergrund und zitiert die trashige B-Movie-Optik des Horrorcore-Genres.

SpaceGhostPurrp geht dabei noch einen Schritt weiter als die Odd-Future-Bengel mit ihrem modischen Faible für umgedrehte Kreuze. Er trägt meistens schwarz und mag deshalb auch die Fan-Artikel der Los Angeles Raiders ganz besonders. Seine Musik klingt wie eine komplett verdrehte Version der Stripclub-Hymnen aus Atlanta, vermischt mit DJ Screws Sirup-Sound und düsterem Nineties-Gewaber zwischen Cypress Hills »Temples Of Boom« und Afu Ras »Mortal Kombat«. Die Low-Budget-Videos aus seinem Raider-Klan-Umfeld sind grobkörnig und düster, vor manchen Gefolgsleuten wie dem »Raider Klan South Africa«-Ableger, den XXXorSistaz, könnte man tatsächlich beinahe Angst bekommen. Seine Heimatstadt Miami bezeichnet SpaceGhostPurrp gerne als »Satans Spielplatz«. Das okkulte Geschwafel auf seinem Tumblr-Blog legt die Vermutung nahe, dass der Bursche sich ernsthaft
mit der satanistischen Philosophie von Aleister Crowley und der Lehre Thelemas beschäftigt hat.

Der Internet-Fame des Satansrappers begann im Frühjahr 2011 an Fahrt aufzunehmen. Syd Tha Kyd, DJ von Odd Future, spielte nämlich vor den OFWGKTA-Shows immer wieder den Song »Suck A Dick For 2011« vom besten SpaceGhostPurrp-Tape »Blackland Radio 66.6«. Zu diesem Zeitpunkt hatte der YouTube-Channel des Sound­hexers aus Miami erst ein paar hundert Aufrufe. Plötzlich berichtete die »L.A. Weekly« (die ihn »Odd Future’s Cosmic Cousin« nannte) und dann auch die »Vice« und das »Thrasher«-Magazin. Der »L.A. Weekly« erklärte SGP im letzten Sommer: »Der Raider Klan ist eine Gruppe von Skatern, Hipstern und generell unverstandenen Kids, die von anderen Kids – den sogenannten Hype­beasts – als seltsam angesehen werden. Ein Hypebeast ist jemand, der – sagen wir mal so: Wenn du in die Hood gehst und jeder Nigga dort trägt seine Air Force 1s, die Dreads, das Gold. Sie sehen aus wie jemand anders, anstatt sie selbst zu sein. Raider Klan ist ein Clan von Menschen, denen das Herz gebrochen wurde – wir wurden angelogen, betrogen, übervorteilt – und die gesagt haben: Fick diese Scheiße, ich halte das nicht mehr aus.«

Geboren wurde SpaceGhostPurrp im Jahr 1991. Während seine Klassenkameraden Kanye West und Drake pumpten, verkündete er auf Twitter trotzig »Fuck New Rap« und zitierte stattdessen die Helden seiner Kindheit: DJ Screw, Bone Thugs-N-Harmony, Three 6 Mafia und Wu-Tang Clan. Künstlern wie Nate Dogg widmet er ganze Tapes in seiner »Purrped & Chopped«-Reihe. Trotz oder gerade wegen seiner sperrigen Musik und der düsteren Atmosphäre seiner Tapes ist er derzeit extrem gefragt. Er ist gut mit A$AP Rocky, Lil B, Kreayshawn und der Odd-Future-Posse befeundet, auf »Live.Love.A$AP« tauchte er ebenso auf wie auf Juicy Js Mixtape »Blue Dream & Lean«. Auch wenn er einst einen Diss-Track gegen Wiz Khalifa und dessen Taylor Gang aufnahm, hat er sich inzwischen via Twitter mit ihm versöhnt und hat jetzt sogar für sein aktuelles Mixtape produziert. Sein eigener Backkatalog umfasst bereits sieben Mixtapes, sein erstes Album ist lose für Sommer 2012 terminiert. JUICE-Autorin Zainab Jama traf den Rapper und Produzenten in seiner Heimatstadt Miami, kurz nachdem das Signing bei dem britischen Label 4AD bekannt gegeben wurde, der Heimat von Acts wie Zomby, Grimes und Gang Gang Dance.

Was hast du die letzten Wochen ­getrieben?
Ach weißt du, ich komme klar. Ich habe die letzte Zeit damit verbracht, mir viele Gedanken zu machen, alles in meinem Kopf zu sortieren und die Kontrolle zu behalten. Ich versuche, mir eine bodenständige Mentalität zu bewahren und nicht durchzudrehen. In meinem Kopf passiert eine Menge. (grinst)

Wie würdest du jemandem deinen Sound beschreiben, der noch nie Musik von dir gehört hat?
Es ist »Old Skull Rap«. Die Texte und die Stimmung sind mysteriös und dunkel, aber die Musik hat diesen gewissen Funk. Eigentlich aber nicht »Funk« mit F, sondern eher »Phonk«. Ich habe ein eigenes Genre erfunden: Dark Mysterious Rap.

Dein erstes Mixtape hieß »Nasa Phonk 1996«.
Richtig, das war das erste Projekt, was ich rausgebracht habe. Ich war verdammt jung, vielleicht 17 oder 18 Jahre alt. Dann kam »Blvcklvnd Rcdix 66.6 (1991)«, da war ich schon 19 oder so. Jetzt bin ich 20 und habe gerade »God Of Black Volume 1« veröffent­licht. Ich liebe es, diese Mixtapes zu machen. Gerade die »Purrped & Chopped«-Reihe macht mir unglaublich Spaß.

Ist »God Of Black Volume 1« nicht eher eine EP?
Ja, stimmt. Ich habe sie vor allem rausgebracht, um die Leute auf dem Laufenden zu halten, um ihnen zu zeigen, wo sich mein Kopf gerade befindet, wie sich mein Style entwickelt hat und wie ich mich verbessert habe. Eigentlich geht es immer nur darum, eine Entwicklung abzubilden. Dafür sind Mixtapes die beste Option. »God Of Black Volume 2« ist ebenfalls schon fertig, aber ich weiß nicht mal, ob ich es herausbringen werde. Es ist noch mysteriöser und dunkler als der erste Teil. Die EP war ja eher zurückgelehnt und entspannt, ich habe sie für meine Homies und vor allem für die Frauen gemacht. Die können sich das Tape anhören und dazu entspannt was rauchen oder trinken.

Wie ist es zu dem Deal mit 4AD ­gekommen?
Sie haben mich gerade erst gesignt. Das sind gute Menschen. Sie haben mich kontaktiert und sie sehen zu hundert Prozent meine Vision. Wir sprechen miteinander auf Augenhöhe, Oldschool-Style. (lacht) Ich weiß, dass sie checken, wie groß unsere Bewegung ist und wie groß sie noch werden kann. Sie begreifen, was ich hier aufzubauen versuche und sie wollen einfach nur sicherstellen, dass ich die richtigen nächsten Schritte dafür gehe.

Wann wirst du dein erstes Album ­veröffentlichen?
Im Sommer wird mein erstes Album bei 4AD erscheinen. Es wird »Mysterious Phonk: The Chronicles of SpaceGhostPurrp« heißen. Ich werde dafür die größten Hits von meinen Tapes remastern, es werden also viele ältere und bereits bekannte Arbeiten drauf sein, aber natürlich auch brandneues, unveröffentlichtes Zeug. Ich muss einfach immer zeigen, wo ich gerade stehe. Ich denke nur, durch diesen Schritt werde ich meine Arbeit einer größeren Hörerschaft vorstellen, also muss ich dafür sorgen, dass es mein bestmögliches Material ist.

Was bedeuten diese Raider-Klan-­Hieroglyphen? Warum ersetzt du scheinbar zufällig ausgewählte ­Buchstaben durch V oder X?
Tja, das ist offen für Interpretationen. (lacht) Ich möchte ein gewisses Mysterium erhalten. Es liegt bei dir, was du darin sehen willst. Ich gebe lediglich Denkanstöße.

Du hast dich selbst nach deinem Lieblings-Cartoon benannt, richtig?
Ja. Die Serie hieß »Space Ghost: Coast to Coast«. Die lief früher immer um 23 Uhr abends im Adult Swim Network, noch bevor der Sender so hieß. Ich schätze, das muss so gegen 1999 gewesen sein. Jeden Abend habe ich die Serie angeschaut, meistens habe ich aber den Fernseher auf stumm geschaltet und stattdessen lieber Mixtapes von meinen Lieblingskünstlern laufen lassen. Aber die Bilder haben mich beeindruckt.

Welche Musik lief bei dir zu Hause?
Als Kind habe ich fast nur verrückte, kranke Neunziger-Jahre-Musik gehört: Vor allem DJ Screw, Wu-Tang Clan und Bone Thugs-N-Harmony. Und dabei lief eben immer »Space Ghost: Coast to Coast«. Die Bilder und diese Musik passten einfach perfekt zusammen. Außer mir gab es keine anderen Kids in Miami, die dieses Zeug gehört haben – jedenfalls kannte ich keine. Alle meine Freunde hörten schnelleren Rap und aktuelles Zeug, was auch im Radio lief. Ich hingegen ging auf die Suche nach älterer Musik, nach dem echten Underground-Shit. Als ich älter wurde, fing ich auch noch an, Weed zu rauchen. (lacht) »Purp« hieß meine Lieblingssorte. Ich saß den ganzen Tag am Computer, habe meine Lieblingssongs gechoppt und Weed geraucht. Mann, DJ Screw ist mein größter musikalischer Held. Ich habe einfach versucht, seinen Sound nachzubauen. Ich nannte mich schließlich SpaceGhostPurrp, wegen der ganzen Einflüsse meiner Jugend, wegen den Cartoons und dem Weed.

Welches sind die Songs, die du zum Einstieg empfehlen würdest?
»Mystical Maze« von der »God Of Black«-EP. »Raid Of Player«. »Been Fweago«. »Get Yah Head Buss«. Viele mögen auch »Suck A Dick For 2011«.

Was hörst du selbst aktuell für Musik?
Immer noch meine alten Helden! Hörst du die Musik im Hintergrund? Mann, das ist Stevie Wonder. Er ist eines meiner größten Idole. Was Rap angeht, klingt der ganze Underground-Kram aus den Neunzigern immer noch fresh in meinen Ohren. Ich höre Neunziger-Rap und ziehe meine ganze Weisheit und mein Wissen aus dieser Musik. Manchmal gehe ich sogar bis in die späten Achtziger zurück.

Du hast bereits mit Juicy J, Waka Flocka Flame und A$AP Rocky kollaboriert. Mit wem würdest du gerne mal in der Zukunft zusammenarbeiten?
Ich arbeite mit Künstlern, die ich dope und kreativ finde und die nichts darauf geben, was andere über sie denken. Künstler, die keinen Trends folgen, sondern ihre eigenen setzen. Mit denen arbeite ich immer gerne. In naher Zukunft würde ich gerne mal was mit M.I.A. machen – sie ist mein Baby, ich werde sie zu einem Vampir machen. (lacht) ♦

Text: Zainab Jama/Foto: Timothy Saccenti