Naru & Kuchenmann – Dschungel EP // Review

Naru & Kuchenmann Dschungel

 

Es ist immer spannend, wenn neben den unzähligen Klonen der vermeintlichen Zeitgeist-­Phänomene musikalische Abkopplung gedeiht. Naru von der Bahnstraße und Kuchenmann aus der Smilingstreet mussten erst in den »Dschungel« abtauchen, um sich der Trap und der Cloud zu entziehen. Dort, zwischen Lianen aus Jazz-Trompeten, organischen Drums aus den Wipfeln der Baumkolosse und den auf die Lichtung gebeamten E-Pianos, rappen die beiden nur für sich. Unaufgeregt gleiten die Flausen der Jugend – verschwommene Erinnerungen ans Blaulicht, tiefbraune Augen der ersten Liebsten – nach außen. »Sagen und denken« ist das Credo dieser Dortmund-Franken-Liaison. Vielleicht auch deswegen wird die Grübelei plötzlich durch Phallus-Auf-Tisch-Gehabe aufgebrochen. Warum auch nicht. Denn: »Kein Plan wo wir landen/Was soll mich auch jucken, sind gerade mal zwanzig«, sagt Kumpel Luca Brasi und Naru, der manchmal etwas nach Luk&Fils Knowsum klingt, aber an keiner Stelle wie eine Kopie, nickt es ab. Es bringt den Gefühlsdschungel der beiden schließlich auf den Punkt. Zwar können sie sich auf tranigen Tiefsinn einigen, aber neben all dem lyrischen Erwachsensein blitzt nebenher die pubertäre Grobschlächtigkeit auf. Dann werden eben auch mal Schellen verteilt. Das hilft der EP, sich von der langsam einschlei­chenden Lethargie zu befreien. Mit zwanzig soll man schließlich leben, nicht nur in Isolation nachdenken. Die Frische dieses LoFi-Jazz-Gemisches macht das Leben spürbar. Nur das dilettantische Mixing und Mastering nicht.