Knowsum – Hi-Hat Club Vol. 7: Hyasynthus

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(Melting Pot Music)

Manchmal lohnt sich das Warten ganz sprichwörtlich: Mit »Hyasynthus« liefert der Sichtexotheologe Knowsum nicht nur die lang ersehnte siebte Ausgabe des Hi-Hat Clubs, sondern auch eine der spannendsten Instrumentalplatten des Jahres 2015, kurz bevor sich ebendieses endgültig Richtung kalendarischer Vergangenheit verabschiedet. Seitdem Twit One und Hulk Hodn vor sechs Jahren im Hause Melting Pot zum ersten Mal zum Hi-Hat Club luden, ist der zu so einer Art erstem Haus am Platz im hiesigen Beat-Game avanciert. Und von wegen Boombap-Traditionalismus – solchen Highbrow-Hinweisen haute man hier souverän ein, zwei gut gezielte Snares um die Ohren, um ungerührt damit weiterzumachen, weshalb man gekommen war: Beats nämlich. Spätestens mit der frisch gelandeten siebten Ausgabe ist ohnehin klar, dass es um viel mehr geht als die soundtechnische Einbalsamierung der 90er. Eher vielleicht um das Experiment, was ein HipHop-Beat noch alles sein könnte. Knowsum jedenfalls lotet ziemlich konsequent aus, wie viele Synthie-Seltsamkeiten du zu einem Loop zusammenpressen kannst, der dich immer noch straight zum Kopfnicken zwingt. Leiernde, Tremolo-getränkte Flächen, Bleeps und Blups, die an die frühe Eigenbau-Electronica von Cartoon-Vertoner Raymond Scott erinnern und am allerbesten: wunderschön gelayertes Rauschen, Knistern und Flirren über allem. Forschungsfrage: Die Umfaltung des leidigen Signal/Noise-Abstands ins Ästhetische als HipHop-Kernkompetenz wider allen HiFi-Pedanterien. Oder so ähnlich? Für ein wenig 16er-Gespitte bleibt da jedenfalls kein Platz. Muss aber auch gar nicht, stattdessen beschwört Anne-Louise Hoffmann auf »Ghosts« vokale Unheimlichkeiten. Und selbst dann, wenn das Ganze mal gefährlich dicht an der Brainfeeder-Chefetage vorbei rumpelt, klingt das eben trotzdem noch vor allem nach Knowsum. Mit einer so wunderbar weirden Rhythmaschine wie dem grandiosen, völlig verqueren »Mumps« hat der dann allerspätestens gewonnen und sich für 2016 noch ganz oben auf die Liste gespielt.

Text: Malte Pelleter

 

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