Marco Polo – The Stupendous Adventures of Marco Polo

 

Marco-Polo_The-Stupendous-Adventures-Of-Marco-Polo

 

(Duck Down/Groove Attack)

 

Ob er es jetzt wohl geschafft habe, fragte ich mich, als ich Marco Polo letztes Jahr im zutiefst freundschaftlichen Nahgespräch mit Evidence, DJ Premier und Alchemist beobachtete. Ist dieser Produzent aus Toronto, der vor mittlerweile acht Jahren ohne großen Plan, dafür mit großem Traum mit dem Bus ins HipHop-Mekka New York reiste, jetzt ein Teil der New Yorker Beat-Boheme? Irgendwie ist er es. Und irgendwie auch nicht. Marco Polo hat den Duck Down-Deal und offensichtlich die lebensnotwendigen Szenekontakte, ihm fehlt lediglich der eine Beat, der ihn auch ins öffentliche Licht bringt. Seine neueste Platte “The Stupendous Adventures of Marco Polo” macht jedoch den Eindruck, er wäre gar nicht auf der Suche danach. Während andere diesem einen Beat hinterherlaufen, macht Marco einfach Kollaborationsalben mit Torae und Ruste Juxx oder präsentiert ein BoomBap-Sammelsurium erster Güte. Nischenmusik, prädestiniert für den Schlagwortkatalog des Backpack-Almanachs: “The Stupendous Adventures” ist ruff, rugged und raw, gritty und gully und all das, was sich Neunziger-Apologeten sonst noch gerne von ihrem Walkman auf den iPod herübergerettet hätten. Marco Polo serviert Sampler-typische Beat-Blaupausen, Eastcoast-Basslines und gecuttete Hooks, und gräbt Namen wie D-Stroy (ehemals Arsonists), Grand Daddy I.U. und Skoob (Das EFX) aus den Rap-­Poesiealben der Ü30-Fans. Dem Vorwurf der Rückwärtsgewandtheit wirkt er schließlich mit Remixes von Diamond District, Exile sowie Royce Da 5’9’’ und Elzhi entgegen. So ­gähnend langweilig das für die einen klingen mag, so freudig werden die anderen dazu mit dem Kopf nicken. Oder, um es mit den Worten von Surreal zu sagen: “Marco Polo makes it look so basic. We bring it back like a dusty 4-track.”

 

Text: Alex Engelen