Frauenarzt – Mutterficker // Review

Frauenarzt

(Proletik/Universal)

Lieber Arzt,

der evolutionäre Druck, der dei­nen Genitalbereich wie eine Glühbirne brummen lässt, ist etwas Natürliches. Es war der richtige Schritt, dieses Gefühlschaos in einem Album auszudrücken. Das ordinäre Stück hört auf den Namen »Mutterficker« und gefällt mir ganz gut. Du bist definitiv zurück in deinem Metier: Es ist diese wabernde Vaginalmukke jetzt! Das Bild von einer miefigen Großraumdisco tut sich auf, schlängelnde Körper, über-, unter-, aufeinander, dazwischen ein paar versprengte Mallorca-Touris­ten, denen die Knicklichter die sonnenbrandgeschälte Haut von den Handgelenken rubbelt. Hast du dich mit den Atzen deiner Leber gewidmet, geht es jetzt wieder ums Wesent­liche: ficken. »Ich nenne mich zwar Frauenarzt, doch bin nicht frauenfeindlich.« Kein Vorwurf! Das, was du anbietest, ist eher stumpfer Sexismus. Sex ist Muss. Frauen sind Objekte, »Ritzen« – aber keine Feinde. Das schöne und so ferne Geschlecht – un- und missverstanden. Darin besteht unser Zwiespalt. Du kannst Frauen und jedem Wack-MC gefühls- und respektlos die Gallenblase ficken. Woher das Begehren stammt, erklärst du nicht. Du bist distanziert, weit weg im Kosmos der Plastiktitten, umkritzelt vom Chirurgen-Edding. Doch ich verstehe, was sie an dir lieben: die Ehrlichkeit der Perversion, das komplette Reduzieren auf eingeübte Abläufe – mit einer unnachahmlichen Inbrunst, die viele deiner Kollegen schmerz­lich vermissen lassen. »Meine Phrasen sind ultraagressiv – ich lass mir einen blasen, deine Mutter hat mich lieb.« Blowjobs sind halt echt geil. Aber das Wichtigste, nämlich Gefühl, stellt sich nicht immer ein, nicht bei mir. Ich höre oft weg. Zu unangenehm und glitschig, zu viel Krach, Lautstärke, Lil-Jon-Anleihen. »So Typen wie ich können niemals runterfahren« – das fühl ich wiederum. Aber dein Album klingt nach Luftballon, dem quiet­schend der Inhalt ­entweicht. Fotzenfürze ins Gesicht der Musikindustrie. Untergrund und unter der Gürtellinie! Wie gesagt: Mein Swag ist das nicht. Aber die verfickte Faszination am Aussprechen des Unaus­sprechlichen, am musikalischen Mittelfinger in den Arsch von allem und jedem – den verstehe ich. Rational.

Herzlichst,
Penisbesitzer Laurens Dillmann