Frank Ocean – Swim Good

    Es ist schon ein Wahnsinn. Da will in Europa jahrelang niemand zugeben, dass er heimlich unter der Dusche jeden morgen die große »Trapped in the Closet«-Arie singt und 2011 ist plötzlich alles anders. Klar, The Weeknd drückt natürlich auch nicht ganz unbewusst all die Knöpfchen, auf die der trendbewusste, urbane Opinion-Leader so abfährt. Grobkörnige Schwarz-Weiß-Ästhetik, geheimnisvolle Inszenierung, Kokain und euphorische Pitchfork-Reviews. Schon klar.

    Frank Ocean hingegen brauchte nur die Verbindung zum glücklichsten VMA-Gewinner aller Zeiten und dem Rest der Wolfsbande, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Zum Glück. Denn Christopher Breaux ist bereits vor seiner ersten kommerziellen Veröffentlichung ein sehr guter Songwriter. Der Humor, die lyrischen Bilder, die Verletzlichkeit – alles da. Spätestens seit »Watch The Throne« zählen wir die Tage, bis Frank Ocean mit Panda-Mütze an der Spitze der Billboard-Charts sitzt und verträumt in die Ferne schaut.

    Vorerst hat er auf seinem Tumblr-Blog jedoch zwei schlicht großartige Videos online gestellt. Eines zu »Thinking About You«, einem Falsetto-Slow Jam, der schon vor einigen Wochen im Internet landete. Die Geschichte des Clips dürfte sich den Wenigsten direkt erschließen. Der Versuch, die beiden miteinander verwobenen Handlungsstränge zu entwirren, lohnt sich aber. Versprochen.

    Das zweite Video unterstützt »Swim Good«, einen der stärksten Songs von Franks Internet-LP »Nostalgia/ Ultra«. Genau wie bei »Novacane« hat Nabil Elderkin Regie geführt und genau wie bei »Thinking About You« könnten auch hier die üblichen Musikvideo-Standards kaum weiter entfernt sein. Eine Frau, ein Mann, sein Schwert, sein Auto und wunderschöne Landschaftsaufnahmen. Es ist schwierig zu sagen warum genau, aber irgendwie passt in beiden Fällen die krude Thematik zum Song. Solltet ihr noch nach Beweisen für vielschichtig interpretierbare und künstlerisch wertvolle Videos gesucht haben – hier sind sie.

    Foto: Julian Berman