2 Chainz – Pretty Girls Like Trap Music // Review

(Def Jam Recordings)

Man kann darüber diskutieren, wie lange Atlanta nun schon die Vorherrschaft im Mutterland übernommen hat. Eine Dekade? Mindestens. Doch schon kurz nach der Jahrtausendwende mit der Crunk-Welle? So argumentiert zumin­dest 2 Chainz, der vor zehn Jahre noch als Tity Boi die Stripclubs beschallte und sich nach den Nullerjahren mit prägnanten Punchlines zu einem der einflussreichsten Rapper der Dekade mauserte. Nach seiner Umbenennung folgte ein irrsinniger Run auf die Charts, als Feature-Gast für die halbe Musikindustrie. Vielen Major-Künstlern eröffnete der Fast-2-Meter-Mann den dreckigen Süden damit erst als Absatzmarkt. Ein großartiges Album versprach man sich jedoch nie. Erst recht nicht, nachdem er 2013 mit Jason Derulo und dem ekelhaften Saxophon-Stampfer »Talk Dirty« in den deutschen Single-Charts auf die Eins ging. 2 Chainz war immer eher der lustige Sidekick, mehr Gimmick-Rapper als Hauptdarsteller. Im letzten Jahr dann die Boss-Transformation, neuer Hunger mit fast 40, Traps Einstein holt sich, was ihm zusteht. Endlich dachte Tity im Albumformat, an die Kinder und die Grammys. Als geläuterter OG, Vollblutmusiker und Fami­lienvater gab sich Mumble Raps Vater jüngst demütig in den großen US-Late-Night-Talkshows. »Pretty Girls Like Trap Music« bahnte sich tatsächlich als kleines Meisterwerk an und hält alle Versprechungen, die uns der neue 2 Chainz geben kann – von den schmierigen Achtziger-E-Gitarren des Intros bis zu den abschließenden Streichersätzen seiner Karrie­re­revue »Burglar Bars«. »It’s A Vibe« ist Neo-Soul im Trap-Gewand, den so auch The Roots produzieren könnten. »Rolls Royce Bitch« eine Motivationshymne, die jede Selbstoptimierungs-App ad absurdum führt. Ehrlich und einsichtig wie es Rapper immer noch viel zu selten sind, mimt 2 Chainz den Hood-Aufklärer: Das pinke Haus, das für das Cover bemalt wurde, ließ er erst zu einer Schnelltest-Klinik für Aids und später zur Kirche umfunktionieren. Der Elder Statesman der Trap nimmt sich seiner Verantwortung an. Die Autokratie Atlantas ist noch lange nicht vorbei.