YBN Nahmir: Gamer-Kid turned Platin-Rapper // HipHope

Manche Wissenschaftler vertreten die These, dass der Ursprung menschlicher Kultur im Spiel liegt. »Der Mensch braucht das Spiel als elementare Form der Sinnfindung«, schrieb der niederländische Kulturhistoriker Johan Huizinga. Vielleicht basierte es also auf instinktiven menschlichen Handlungsmuster, als sich Nick Simmons entschloss, das Rappen ernster zu nehmen. Denn bevor er ein platinveredeltes Rap-Klickwunder wurde, war YBN Nahmir – richtig – ein Gamer.

Die Optionen, seine Freizeit in Birmingham, Alabama, sinnvoll totzuschlagen, sind für Heranwachsende eh überschaubar. »Ich liebe meine Heimat, aber Birmingham ist eine tote Stadt«, sagte der 18-Jährige gegenüber Hot97. Das Scheißebauen überlässt Nick zwar anderen, trotzdem bekommt er mit, wohin der Weg des schnellen Geldes führen kann: »Ein paar Leute, die ich kannte, sind tot oder im Knast. Ich habe mich da immer rausgehalten.« Was macht man als Teenie also? Genau, man hockt vor der Konsole. Aus Spaß nehmen Nahmir und seine Homies ihre Online-Sessions auf Xbox Live auf und laden die Videos bei Youtube hoch. Allerdings sind das keine herkömmlichen Let’s-Play-Clips, die Kids ziehen ihre Zockerstunden wie eine richtige Show auf: mit Gags, Einbeziehung des Publikums und wiederkehrenden Elementen wie zum Beispiel: Freestyles.

Das entpuppt sich als Idee, die auf Instagram und Facebook bald die Runde macht, denn Nahmir ist talentiert. »Ich glaube, es lag auch an meinem Alter, dass die Leute meine Freestyles so krass fanden«, erklärt er das schnelle Wachstum heute. Mit steigender Beliebtheit, recordet Nahmir (mit einer Socke über einem USB-Mikrofon als Popschutzersatz) bald richtige Songs ­auf Beats, die er bei Youtube findet oder von Freunden aus der GTA-V-Community bekommt. Die meisten von ihnen kommen aus Kalifornien. Hier liegt auch die Erklärung dafür, dass Nahmirs tiefstimmige Stampfer-Flows eher die Brunftschrei-Bars von Bay-Area-Größen zum Vorbild haben als eine weitere Migos-Kopie anstreben. Seine Raps spickt er einerseits mit den üblichen Hood-Tales, andererseits mit Comic- und Game-Anspielungen.

Dank der Gamer-Followings haben seine Songs von Anfang an ein Pub­likum, und Nahmir bildet eine Clique aus On- wie Offline-Freunden um sich, die fortan alle das Kürzel YBN (Young Boss Nigga) vor ihre Namen setzen. Sein Durchbruchs-Song »Rubbin Off The Paint« ist ein klassisches Viralphänomen, wie es vor einigen Jahren schon bei Chief Keef passierte: Ein flaumbärtiger Teenager stiefelt mit pinkem Rucksack und Knarre durch die Cornflakes-Abteilung und rotzt geschmeidige Großkotz-Flows über einen verdammt eingängigen Uptempo-Trap. Mittlerweile zeigen seine acht weiteren Singles, dass Nahmir solche verachtenden Street-Hits am Fließband produzieren kann, weshalb er schon vor rund einem Jahr vollmundig und siegessicher verkündete: »Ende dieses Sommers werde ich berühmt sein.« Im April 2018 unterschrieb er bei Atlantic – »Level completed«, würde er wohl sagen.

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