WizTheMc: »Ich hatte nie die Erwartung, schnell berühmt zu werden« // Interview

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WizTheMc ist der nächste Rapstar aus Deutschland, auch wenn ihn hierzulande nur wenige auf dem Schirm haben. Das liegt daran, dass er in Toronto lebt, dort von einem Label gesignt wurde und sich mit smoothen und erfrischenden Sounds eine treue Hörer*innenschaft in Nordamerika aufbaut. Am 30.Oktober ist seine EP »What About Now« erschienen, die der nächste Schritt zum großen Durchbruch werden soll. Angefangen hat WizTheMc mit ersten Freestyles in Lüneburg, die sich nach und nach zu ausgearbeiteten Songs weiterentwickelt haben, für die es jetzt die verdiente Anerkennung gibt. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie sein Plan, bekannt zu werden, nach einigen Jahren Output funktioniert hat, welche Erinnerungen sein Auftritt auf dem Splash Festival hervorruft und warum ihm Erfolg im Ausland wichtiger als Bekanntheit in Deutschland ist.

Du kommst ursprünglich aus Lüneburg. Hast du dort schon angefangen, Musik zu machen?
Ja, mit 15 habe ich angefangen auf YouTube-Beats zu freestylen. Ich hatte so ein billiges Zoom-Mikrophon, das ich eigentlich für Film-Zeug hatte, und habe das am Anfang benutzt.

Freestyles auf Deutsch oder auf Englisch?
Die ersten 2-3 Wochen habe ich auf Deutsch gerappt. Aber da waren schon viele englische Worte dabei und dann war es schnell komplett auf Englisch.

Hat sich das besser angefühlt?
Ich bin in Südafrika geboren und rede auch mit meinem Vater immer auf Englisch. Deshalb habe ich da eine Verbindung zur Sprache. Außerdem bin ich komplett von amerikanischer Musik und Rap inspiriert, daher war das die Welt, in der ich leben wollte. Im Deutschrap fand ich Leute wie Moses Pelham oder auch D-Flame nice, aber sonst war ich kaum auf dem deutschen Musikfilm. Das war eher R’n’B und Rap von Kid Ink, Tyga, 2Chainz und Lil Wayne, die ich cool fand.

Also hast du schon eher auf Amerika geschaut, wenn du Inspiration gesucht hast?
Das wurde durch meine Leute hier eingeleitet, die da ein gutes Ohr hatten. Meine erste richtige Introduction zu Rap kam durch King Eazy. Für den habe ich früher Musikvideos gemacht und er hat mich dazu inspiriert, selber Musik zu machen. Ich fand es einfach sehr cool zu sehen, wie er zu seiner eigenen Mukke tanzt. Das hat den Startschuss dazu gegeben, selber anzufangen.

Du spielst auch selber Gitarre oder?
Ich hab‘ früher mehr gespielt, so im Alter von 10 bis ungefähr 15. Jetzt habe ich im Februar mal wieder damit angefangen und versuche, besser zu werden. Aber ich habe die Grundschritte gelernt als ich jünger war.

Hast du dann früher auch andere Musik als Rap gehört?
Ja, schon. AC/DC oder auch die Red Hot Chili Peppers waren Idole und sind es eigentlich immer noch, was Musik angeht. Diese Rockstar-Schiene fand ich als kleiner Junge schon sehr ansprechend. Jetzt komme ich langsam zurück zu solcher Musik. Weniger vom Genre her, aber eben so energetische, interessante und auch edgy Musik, die mehr als Rap ist. Damit experimentiere ich viel rum in letzter Zeit.

Was hast du mit deinen ersten Aufnahmen gemacht? Freunden gezeigt oder direkt hochgeladen? Und hat das da schon jemanden interessiert?
Für mich war es mehr wie ein Tagebuch. Ich habe mit Soundcloud angefangen und dort eigentlich immer noch keine große Fanbase in diesem Sinne. Ich habe einfach Freestyles gemacht, die hochgeladen und an vielleicht drei meiner Freunde geschickt. Meine Homies wussten schon, dass ich Mukke mache, aber da war nie große Aufmerksamkeit drauf. Das war aber auch nicht das Ziel. Ich habe bei Partys hier und da gefreestylt, aber durch das Internet kam keine große Aufmerksamkeit rein. Ich habe immer Instagram und YouTube genutzt, aber da ist nie etwas signifikantes passiert, bis ungefähr Ende 2018/Anfang 2019. Da waren dann, wenn ich Videos hochgeladen habe, 500 Views in ein paar Tagen drauf. Das war dann schon groß, denn ein paar Leute wussten, dass ich Musik mache. Aber eigentlich war in den ersten drei bis vier Jahren quasi keine Resonanz da, die wirklich hängengeblieben ist. Das habe ich eher für mich gemacht und wollte vor allem besser werden, was dann organisch passiert ist.

War das frustrierend oder wolltest du eh solange weitermachen bis die Leute es checken?
Ich hab‘ es ehrlich gesagt ziemlich realistisch gesehen. Ich habe mir 2014/2015 so einen Ted-Talk angeguckt und da hat eine Frau erzählt, dass man aufschreiben soll, wo man im Moment ist und wo man mal hinkommen will. Dann sollte man sich aufschreiben, was man tun muss, um dahin zu kommen. Ich habe mir zehn Jahre gegeben. Damals habe ich Goldketten, ein teures Auto und ein Haus in Hollywood aufgemalt, was jetzt nicht mehr mein exaktes Ziel ist. Aber ich wusste, dass ich meinen deutschen Akzent verlieren muss, einen besseren Flow bekommen muss, Lyrics haben muss, die connecten. Da waren klare Punkte, an denen ich arbeiten konnte. Das Freestylen hat am Anfang dabei geholfen, selbst zu schreiben. 2017 habe ich angefangen, selber zu produzieren. Ich habe mir diese zehn Jahre gegeben und das Uploaden war eher die Übung und das Commitment für mich selber. Ich habe aber auch mit Musik angefangen, bevor die Leute rechts und links mit einem Hit famous geworden sind. Zu dieser Zeit war es noch sehr selten, dass das passiert ist. Deshalb hatte ich nie die Erwartung, schnell berühmt zu werden. Wenn man heutzutage anfängt, kann das entmutigend sein und man denkt sich vielleicht, dass es eh nicht klappt, wenn man nach einem Jahr noch nicht durchstartet. Alles braucht Zeit. Ich habe mir zehn Jahre gegeben und jetzt passiert es gerade nach fünf Jahren. Das ist irgendwie Teil vom Plan aber auch komisch, dass es passiert, weil es noch neu ist.

Wann bist du eigentlich nach Kanada gegangen und was war dein Plan?
Das war 2017. Drei Tage nachdem ich meinen erweiterten Realschulabschluss gemacht habe. Ich habe den Flug ein halbes Jahr vorher gebucht und hatte Geld von meiner Konfirmation gespart, damit ich irgendwo hingehen konnte. Ich habe davor schon geguckt, wo es hingehen könnte und bin auf Kanada, beziehungsweise Toronto gestoßen. Da habe ich schon gesehen, dass auch die Musikszene sehr interessant ist und die meisten Leute in Deutschland konnten Kanada empfehlen. Dann habe ich einen billigen Flug gefunden und dachte mir „Wieso nicht?“ Ich habe einen Trip für zwei Monate gebucht, aber dann doch den Rückflug gecancelt und bin für ein halbes Jahr dageblieben. Ich wollte Lüneburg verlassen, um ein bisschen von der Welt zu sehen. Auch Freunde, die nach dem Abitur im Ausland waren, haben erzählt, dass es eine super Erfahrung war. Wichtig war mir, alleine an einen Ort zu reisen, wo man niemanden kennt. Ich bin froh, dass ich mich auf dieses Abenteuer eingelassen habe. Es hat mir viel gezeigt und mich gezwungen, schneller erwachsen zu werden. Wenn man alleine ist, wo man niemanden kennt, muss man sein Leben auf die Reihe kriegen.

Hast du dann versucht, so viele Leute wie möglich kennenzulernen? Und hast du direkt weiter Musik gemacht?
Ich hatte mein Mikrophon, den Computer und ein kleines Keyboard dabei. Die ersten drei Tage war ich im Hostel, danach habe ich College-Basketballspieler kennengelernt und konnte einen Monat bei denen leben. Da habe ich auch Musik mit meinem kleinen Setup gemacht, einer von den Leuten dort hat auch gerappt und wir haben ein kleines Mixtape zusammen gemacht. Ich hatte Glück, dass die Leute, die ich dort kennengelernt habe, offen für meine Musik waren und mir nie gesagt haben, dass ich es lassen sollte. Das ist ein großer Faktor, warum ich selbstbewusst wurde. Überall waren die Leute supportive. Ich sehe jetzt auch, dass es nicht normal ist, dass jede*r supportet, was du machst. Deshalb habe ich nebenbei weiter Musik gemacht.

Wie ging es dann weiter?
Danach bin ich bei jemandem eingezogen, der mehrere Künstler in seinem Haus leben hatte und konnte dort billig wohnen und unten in einem Show-Room sogar live spielen. Dann wurde Musik ein größerer Teil, der Hausbesitzer ist mein Mentor geworden und hat mir Dinge über Marketing beigebracht. Ich habe eigentlich nie versucht, viele Menschen kennenzulernen, aber es gibt diese handvoll Leute, die einen sehr großen Einfluss auf mein Leben hatten und mich geleitet haben. Ich bin keine Person, die oft zu Partys geht oder Networking liebt. Aber ich bin zu Open Mics gegangen, habe da gespielt und einen sehr guten Freund kennengelernt. Das war dann die Routine: Ich bin zu Open Mics gegangen, habe Poster für meine Musik gemacht und zu Hause weiter an neuem Material gearbeitet.

Und dann sind Labels auf dich aufmerksam geworden?
Ja, wenn man drei Jahre vorspult. Ich habe Ende letzten Jahres mein erstes Spotify-Placement bekommen, da hatten ein paar Labels Mails geschrieben. Anfang des Jahres hatten wir dann eine große Auswahl und Zoom-Meetings mit den Labels. Am Anfang hatte ich gar kein Interesse zu signen, weil ich das Independent-Leben mochte. Ich wollte alles unter Kontrolle haben und hatte auch die Befürchtung, dass ich mich beim Label verändern muss und in irgendeine Box gequetscht werde. Aber als ich gesehen habe, dass die Labels mich haben wollen wie ich bin und das alles auf ein größeres Level heben wollen, gab es einen Switch in meinem Kopf. Und ich habe bis heute nicht einmal den Druck gespürt, dass ich irgendwas verändern muss. Dann haben wir also mit den Labels geredet und uns dann für Homemade Projects entschieden, weil sie internetaffin sind und Erfolg mit deren Künstlern haben.

Du bist 2019 beim Splash Newcomer Contest angetreten und hast gewonnen. Wie ist es dazu gekommen?
Ich war in Deutschland, weil ich meine Familie besuchen wollte und war dann ein paar Monate hier. In der Zeit war dieser Splash Contest und ich habe dafür ein Video bei Insta eingeschickt. Das ist immer noch eine meiner krassesten Erfahrungen. Ich war drei Jahre davor schon auf dem Splash, das war mein erstes Festival, da habe ich noch für Bier auf dem Campingplatz gefreestylt. Da war es witzig, dass ich drei Jahre später beim Newcomer Contest dabei sein konnte. Ich war wirklich nervös, aber es geht nichts über eine HipHop-Competition.

Ist dir auch wichtig, dass die Leute in Deutschland dich stärker wahrnehmen?
Aktuell ist mein Ziel, in Nordamerika durchzustarten. In Deutschland habe ich natürlich ein Art Hardcore-Fanbase, es kennen mich Leute in Lüneburg, Hamburg und Berlin. Da sind Leute in Deutschland, auch durch das Splash Festival, die meine Musik hören und die auch ihren Freund*innen zeigen, deshalb ist das eine „echte“ Fanbase in Deutschland. Deutschland ist mein Zuhause und da werden in meinen Augen auch immer die realsten Fans sein. Jetzt ist es aber das Ziel, Nordamerika zu übernehmen und dann kommt es automatisch, dass man das in Deutschland mitbekommt. Wenn jemand hier durchstartet, dann hört man in Deutschland davon. Man will sehen, was in Amerika Trend ist, daher mache ich mir da keinen großen Kopf. Ich habe keine Scheu davor zu sagen, dass ich Deutscher bin und möchte es auch nicht verstecken oder so. Aber ich konzentriere mich nicht auf Deutschland, das ist limitierend. Ich habe am Anfang auch mit deutschen Labels geredet, die wollten mich als Deutschen vermarkten, der nach Amerika geht. Aber ich will lieber mit einem amerikanischen Label arbeiten und als international Star breaken, dann kann man immer noch sagen »Oh, der ist aus Lüneburg.«

Da mit Tourleben ja gerade nicht viel ist, gehe ich mal davon aus, dass du nach der EP direkt an neuer Musik arbeitest?
Ja, ich arbeite gerade an neuer Mukke und habe alleine musikalisch krasse Pläne für das nächste Jahr. Ich bin gespannt darauf, meine Musikevolution mit der Welt zu teilen. Da kommen neue Level dazu, die ich mir vor einem halben Jahr nicht hätte vorstellen können. Es ist immer noch unique und echt, auch wenn es nicht mehr exakt den gleichen Sound wie vor einem Jahr hat. Ich finde Musik dahingehend interessant und möchte sie immer wie ein Anfänger betrachten, in dem Sinne, dass ich neue Sachen ausprobieren und innovativ sein will. Es ist einfach, sich in einer Spur einzufahren, aber ich will nicht nur meine jetzigen Fans glücklich halten. Mein Ziel ist, dass jede Person irgendwann mindestens einen Song aus meinem Katalog richtig mag, anstatt jetzt weiter dasselbe abzuliefern. Ich will mich musikalisch weiterentwickeln und es spannend halten. Nicht nur für die Fans, sondern vor allem für mich selber. Am Ende des Tages, würde ich behaupten, kommt die Musik auch so gut an, weil ich daran Spaß habe.

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