Watch The Throne

»The throne is for the taking«, krakelte Drizzy gerade noch auf »I’m On One«. Stimmt natürlich nicht. Schließlich gibt es da ja noch die Herren West und Carter. Und die haben ein Album fertig. Jetzt aber wirklich. Nachdem Kanye bereits vor Monaten im alkoholisierten Zustand verkündete, »Watch The Throne« würde in wenigen Tagen erscheinen und vor einigen Wochen der Independence Day als angebliches Veröffentlichungsdatum herumgeisterte, ist es jetzt offiziell. Das gemeinsame Album von Jay-Z und Kanye West existiert tatsächlich und erscheint am 01. August.

Die Songs selbst unterliegen allerdings weiterhin kompletter Geheimhaltung. Keine Single, keine Leaks, gar nichts. Fürs Erste müssen wir uns wohl oder übel mit dem Lex Luger-Weltuntergangs-Orgelwahnsinn namens »H.A.M.«, der mittlerweile zum Bonustrack degradiert wurde, zufrieden geben. Dem Vernehmen nach sollen die zwölf regulären Album-Songs in eine komplett andere Richtung gehen – die Fragezeichen bleiben.

Jay-Z & Kanye West »H.A.M.«

Vielleicht bringen die mittlerweile veröffentlichten Credits etwas Licht ins Dunkel. Selbstverständlich produzierte Mr. West höchstselbst. Dennoch klingen auch die restlichen Hochkaräter, die an der Entstehung beteiligt waren, äußerst spannend. Kostprobe? Der RZA, Q-Tip, 88-Keys und die Neptunes. Außerdem weitere alte Bekannte, die mit Kanye bereits in tropischen Gefilden an »My Beautiful Dark Twisted Fantasy» arbeiteten. So lang die Produzenten-Liste, so kurz die der gastierenden Rapper. Für andere MCs haben die zwei vielleicht größten, männlichen Solo-Künstler auf diesem Planeten eben keine Verwendung. Dafür tummelt sich in der Tracklist eine große Ladung Gesangs-Talent. Die Homies (Mr. Hudson, KiD CuDi) dürfen natürlich ran, Hovas Herzdame ist dabei, Elly Jackson und Justin Vernon auch wieder. Außerdem ist der Redaktionsliebling und baldige Superstar Frank Ocean auf gleich zwei Songs vertreten. Liest sich gut, ne?

Eigentlich sogar zu gut um wahr zu sein. Zumindest der amerikanische Rolling Stone scheint bereits davon überzeugt, dass »Watch The Throne« die von allen erhoffte Großtat wird. Die Kollegen durften einer höchst-exklusiven Listening Session im New Yorker »Mercer Hotel« beiwohnen, bei der Hova selbst einige (unfertige) Songs vorspielte und sündhaft teuren Champagner ausschenkte. Klar, die Aufzeichnungen der Anwesenden verheißen auch Großes. Große Songs und die ganz großen Themen. Also: Urlaub in Paris, Religion, Macht, Jesus, Kinder, Sokrates, Andrea Bocelli und sündhaft teure Ledertaschen.

Für besonders begeistertes Kopfnicken der Anwesenden sorgte ein Song namens »Otis«, der auf einem Sample aus »Try A Little Tenderness« von Otis Redding basiert. Ein Beat, der nach dem ersten »Blueprint« klingt und Jay und Kanye gemeinsam am Mic die 2011er-Version von Run DMC geben. Anscheinend erwarten uns außerdem Songs auf Basis des Dubstep-Hits »I Can’t Stop« von Flux Pavillon und »I Love You So« von den französischen Ed Banger-Spezis Cassius.

Klingt nach dem einzig wahren »Best of Both Worlds«, nach guter (!) Zusammenführung des Sounds des amerikanischen Ostens und europäischer Elektronik-Trends, nach der Musik gewordenen Verbildlichung des Luxus-Lifestyles von Kanye und Jay. »Watch The Throne« entstand in Studios im britischen Bath, in Paris, in Australien, in New York und in Los Angeles. Voilà, das erste Jet Set-Rap-Album der Welt.

Ein bisschen Sorge bereitet uns bisher nur der Song »Lift Off«. Dieser soll der sichere Pop-Hit der Platte sein – mit Beyoncé an der Hook. Eigentlich haben wir gegen einen Song für Millionen und Milliarden so gar nichts einzuwenden, uns verstört nur die offensichtliche Beteiligung der amerikanischen Party-Druffis von LMFAO. Man wird sehen. Die sind ja immerhin immer noch mit Berry Gordy verwandt. Ansonsten stehen nämlich wirklich alle Zeichen auf Klassiker. Wir werden sehen. Bis August klicken wir uns rastlos durch die Studio-Bilder auf complex.com.

Vorbestellung: Kanye West & Jay-Z – Watch The Throne