Von Rappern, ihren eigenen Labels und Kollaborationen // Feature

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Abseits vom Rappen und in Musikvideos sich selbst oder ihr Image vertreten, haben diverse Rapper noch andere große Hobbys – und nein, die Rede ist nicht von Frauen, Autos oder illegalen Substanzen. Vielmehr geht es um echtes Business, um Geldverdienen und Kreativsein mit anderen Dingen als mit eigener Musik. Von eigenen Musiklabels, über Modelabels, Modekollektionen in Zusammenarbeit mit großen Marken, bis hin zu Franchising war und ist der ein oder andere Rapper immer wieder für Überraschungen gut. Im Folgenden geben wir einen kleinen Überblick über bedeutende »Geschäfte« deutscher sowie amerikanischer Rapper.

Wenn Rapper Musiklabels gründen

Bereits seit Rap vor rund 30 Jahren, also Mitte der Achtzigerjahre, die Musikszene zunächst in den USA und nach und nach dann auch in Deutschland revolutioniert hat, begannen Rapper ihre eigenen Musiklabels zu gründen: Eazy-E war in den 80er Jahren mit Ruthless Records einer der ersten, in den 90ern folgten Größen wie Sean Combs alias Puff Daddy mit Bad Boy Records und Dr. Dre mit Aftermath. Heute sind es vor allem die folgenden sechs Labels, die von Rappern ins Leben gerufen wurden und unter deren Arbeit regelmäßig Hits entstehen und die immer wieder ikonische Rapper groß machen:

Roc Nation
Mitte der Neunziger rief Jay-Z das Label Roc-A-Fella Records mit seinen Partnern Dame Dash and Kareem »Biggs« Burke ins Leben. Heute führt er Roc Nation, ein erfolgreiches Unterhaltungsunternehmen, das nicht nur Musiklabel, sondern unter anderem auch Sportmanagement-Agentur ist. Wie ernst sich Jay-Z als Geschäftsführer nimmt, kommentiert er selbst in seinem Part des »Diamonds from Sierra Leone«-Remix mit Kanye West: »I‘m not a businessman, I‘m a business, man«.

OVO Sound
2012 gründete Drake das Musiklabel OVO Sound. Die größten Hits von OVO Sound stammen aus Drakes eigener Feder, weiterhin signt er aber regelmäßig bedeutende Künstler, u.a. PARTYNEXTDOOR, Majid Jordan oder dvsn gehören.

Shady Records
Im Jahr 1999, kurz nach seinem Triumph mit dem Debütalbum »The Slim Shady LP«, gründete Eminem zusammen mir seinem Manager Paul Rosenberg das Label Shady Records. Das Label war über die Jahre enorm erfolgreich, unter anderem mit Album-Releases, die Platinstatus erreichen konnten, u.a. 50 Cents Klassiker »Get Rich or Die Tryin«, D12s »Devil‘s Night« und das Compilation-Album »Eminem Presents: The Re-Up«.

Mass Appeal Records
Nas, der seit 20 Jahren als einer der erfolgreichsten und einflussreichsten Rapper der Geschichte gilt, gründete 2014 das Musiklabel und die unter demselben Namen laufende Medienagentur Mass Appeal. Die derzeitigen Helden des Labels sind die Mitglieder von Run the Jewels, El-P und Killer Mike.

GOOD Music
2004 gründete Kanye West sein Label Good Music, auf dem so große Projekte wie John Legends »Get Lifted« und Commons »Be« releast wurden. Von Kid Cudis legendärem »Man On The Moon« bis hin zu Desiigners Debütalbum »The Life Of Desiigner« macht Kanyes Label keine Anstalten, sich aus der ganz großen Musikszene rauszuhalten und bleibt bis heute eines der bedeutendsten Raplabels weltweit.

Odd Future Records
Im Jahr 2011 gründete der aus Los Angeles stammende Tyler, the Creator das Label Odd Future Records, um seine eigene Musik sowie die seiner OF Crew an den Mann zu bringen. Mit seinen Soloalben »Wolf« und »Cherry Bomb« stieg er sofort auffallend weit oben in den Billboard Charts in den USA ein. Der Erfolg des Labels hält an und es bleibt abzuwarten, was Tyler, the Creator noch vor hat und wen er signt, wo die Langzeitmitglieder der OF Crew, Frank Ocean und Earl Sweatshirt, doch bislang nicht bei Tyler unter Vertrag stehen.

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Das zweitgrößte Hobby der Rapper: Ihr Style

Rapper und ihre Modelabels

Während amerikanische, von Rappern gegründete Labels in der Regel auch bei Raphörern bekannt sind, konzentriert sich die Hörerschaft deutscher Rapper vornehmlich auf die Musik – was per se ja auch nicht schlecht ist. Wer sich für Produktionen und tiefere Zusammenhänge interessiert, wird dennoch wissen, dass Bushidos Ersguterjunge (seit 2011 bushidoersguterjunge), Xatars Alles oder Nix und beispielsweise Haftbefehls Azzlackz, auch hierzulande von Rappern gegründete Musiklabel mit enormem Einfluss sind. Was aber fast jeder Raphörer hierzulange weiß: Es gibt etliche deutsche Rapper mit eigenem Modelabel, unter dem sie ihre eigenen Designs auf Shirts, Jogginganzügen und diversen Accessoires vertreiben – alleine schon die vielen Boxen, die zu inzwischen fast jedem größeren Albenrelease online vorbestellbar sind, beinhalten häufig ein entsprechendes Kleidungsstück. Während einige amerikanische Rapper und Produzenten, wie neuerdings auch die Snowgoons, lieber kollaborieren, das heißt, mit großen HipHop-Marken zusammenarbeiten, denken sich viele deutsche Rapper: Wenn schon, dann richtig. So beispielsweise auch der als geschäftstüchtig bekannte Kollegah, der seit 2015 unter dem Namen Deus Maximus seine bosshafte Mode an die Fans bringt. Fast 39.000 Follower zählt Kolles Marke auf Instagram – obwohl die letzte Kollektion bereits einige Zeit zurückliegt. Natürlich gibt es Kollegen, die schon deutlich länger in der Modewelt Fuß gefasst haben und mit ihrer Kleidung auch größeren Erfolg haben. Ganz vorne dabei ist sicherlich Cro mit VioVio, dem 2008 gegründeten Label, für das er die ersten Designs ganz alleine entwarf. Cros Rapkarriere, gepaart mit der Position von Cros Bruder als Geschäftsführer, brachte VioVio recht bald großen Erfolg. 2014 gab es dann sogar eine Kollaboration mit dem amerikanischen Sneaker-Label Kangaroos.

Weiterhin stiegen übrigens unter anderem auch Fler im Jahr 2009 mit Psalm 23 und seit 2015 Maskulin und ebenfalls 2015 Haftbefehl mit Chabos IIVII und RAF Camora mit Corbo in die Modewelt ein. Dass die drei Rapper zukünftig eine Ausnahme bleiben, ist unwahrscheinlich.

Sneaker, Sneaker, Sneaker

    Die Zusammenarbeit mit Sneaker-Labeln ist vor allem in den USA wiederum fast schon eine Selbstverständlichkeit für erfolgreiche Rapper. Denn Musik und Turnschuhe waren von Anfang an symbiotisch miteinander verbunden. Fast schon könnte man sagen, weder Rap wäre ohne Sneaker das, was er heute ist, noch andersherum. Spätestens seit Run-D.M.C. einen Millionen-Dollar-Vertrag mit Adidas unterschrieben, war der Szene sowie allen anderen in der Modewelt klar: Sneaker und Rap gehen Hand in Hand. Daran hat sich bis heute nichts geändert, wenn man sich als ein Beispiel das Jahr 2016 noch einmal ins Gedächtnis ruft:

  • Cam’ron kollaborierte mit Reebok und brachte den »Ventilator Supreme Purple Haze« heraus
  • Unter Zusammenarbeit zwischen Pharrell Williams und Adidas enstand der »Elastic Lace Up Green/White« und einige weitere Modelle
  • Kanye West und Adidas führten ihre erfolgreiche Yeezy-Reihe mit dem »Yeezy Boost 750 Glow In The Dark« fort
  • Kendrick Lamar und Reebok veröffentlichten gemeinsame Designs der »Classic Leather«-Sneakerreihe
  • Meek Mill und Puma kollaborierten für den »Blaze of Glory White« und weitere Pumamodelle

Ob auch deutsche Rapper zukünftig vielleicht auch internationaleren Erfolg haben werden und die Chance bekommen, mit großen Sneakermarken zusammenzuarbeiten, bleibt abzuwarten. Dass im Zuge der Trapwelle aber auch immer mehr Amerikaner die deutschen Vertreter des Genres feiern, ist schon einmal kein schlechter Anfang.

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Vom Franchisen

Wer denkt, mit eigenen Musiklabels, Pullis, Shirts und Sneakern wäre es getan, irrt gewaltig. Denn die wirklich geschäftstüchtigen amerikanischen Rapper schrecken auch vor dem Business außerhalb ihres eigentlichen Metiers nicht zurück. Besonders beliebt: Fast-Food-Franchising.

Während sich der Franchising-Trend unter deutschen Rappern noch nicht etablieren konnte, sind amerikanische Rapper wie Rick Ross schon seit einigen Jahren dabei. Er gilt dabei ohne Zweifel als der größte Name, was die Zusammenarbeit mit einem Fast-Food-Unternehmen angeht: Laut »Forbes« ist Rozay stolzer Besitzer von neun »Wingstop«-Filialen in den USA.

Ebenfalls nicht schlecht läuft es bei Ludacris, der zunächst ein Restaurant der singapurischen Kette Straits in Atlanta eröffnete, das er trotz Erfolg schließlich dauerhaft schloss, um sich auf ein eigenes Restaurantkonzept zu konzentrieren. Bereits 2012 kündigte er dieses unter dem Namen »Chicken N Beer« an, Ende 2016 eröffnete schließlich die erste (und evtl. auch einzige) Filiale am Hartsfield-Jackson International Airport in Atlanta.

Dass Rapper Geschäftssinn haben, wäre damit unwiderlegbar bewiesen – man darf gespannt sein, wer mit welcher Idee das nächste eigene Business aufzieht.

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