Vic Mensa – There’s A Lot Going On // Review

Mensa

(soundcloud.com/vicsavemoney)

»There’s a Riot Goin On«, stellte Sly Stone 1971 fest und beschwor die politische Kraft von Soulmusik. 35 Jahre später guckt sich Vic Mensa in seiner Geburts­stadt Chicago um und sieht nur noch leere Hülsen – von politischem Umsturz aber keine Spur. Stattdessen bemerkt er, dass auch die eigenen Dollars im Stripclub an den Backen kleben bleiben, anstatt ins Movement zu fließen. Es sind Dollars, die Vic Mensa in den drei Jahren seit seinem Breakout-Mixtape »Innanetape« gesammelt hat. In der Zwischenzeit konnte er einen Roc-Deal eintüten, gab auf europäischen Festivalbühnen den ­frischfrisierten Party-Bro und mogelte sich im Madison Square Garden an die Miniklinke. Immer weiter entfernte sich Vic von seinem »Innanetape«, mit dem sich der Rapper nebst Chance als Absolvent der jüngeren Chi-Rap-Schule mit ­melodischem Einschlag positionierte. Nun macht auch »There’s Alot Going On«, Vorbote für das Major-Debüt »Traffic«, keinen Schritt zurück. Vic will noch immer beweisen, dass er Hits schreiben kann, schlägt aber der Zeit gemäß härtere Töne an. Die souligen Drums des Tapes sind ratternden Hi-Hats gewichen und Mensa hat plötzlich ganz viel über Schusswechsel zu sagen. Das funktioniert in »Shades of Blue« hervorragend, führt bei »16 Shots« gar zum Hit. Auch das titelgebende Selbstbekenntnis zum Ende ist ein Karriere-Recap in bester Ye-Tradi­tion. Spannend bleibt aber, wo Mensa mit seinem Album landet. Denn wo Chance jüngst seinen eigenen Gospel-Sound fand, eifert Vic Mensa allzu streberhaft dem Rap-Zeitgeist nach.

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