Travi$ Scott – Rodeo

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(Sony Music)

Wertung: Vier Kronen

Travi$ Scott ist kein Rapper. Travi$ ist Regisseur. Einer, der die ganz Großen in einen Raum lädt, um Glanzleistungen aus ihnen heraus­zukitzeln, die sie anderswo missen lassen. Da bewirbt sich etwa das Migos-Drittel Quavo mit seinem aufgekratzten Trademark-Flow um ein ernstzunehmendes Solo-Release. Ein 2 Chainz dreht auf, als hätte er die Luxusartikel dieser Welt noch vor sich, während sich Future mit einem astreinen Dirty-Sprite-Part aus dem Fluch des obligato­rischen Hook-Features croont. Der Dreadhead von Rae Sremmurd feiert mit Chiraq-Kapitän Chief Keef eine Pheromon-Party in bester Springbreakers-Manier, bevor Toro y Moi im späteren Verlauf auf einer luftigen Pharrell-Produktion ganz ganz hoch fliegt. Selbst Justin f**kin’ Bieber überlässt Young Thug die Singsang-Duties und spittet – für seine Verhältnisse – den Sechzehner seines Lebens. Das alles reicht vielleicht schon für ei­nen beachtlichen Blockbuster in der Spielzeit zwofuffzehn. Was diesem Streifen einzig für das Prädikat »besonders wertvoll« fehlt, ist ein richtiger Protagonist und ein artgerech­tes Drama. Wenn Labertasche T.I. als Executive das Album mit einer Spoken-Word-Predigt über die Geschichte des »one and only Jacques« eröffnet – der auf dem Cover als großartige Actionfigur thront –, erwartet man mindestens eine überlebensgroße Superhelden-Story. Doch Travi$ verliert sich gleich im Opener »Pornography« in Erotik und Drogenexzessen, die nirgendwo so richtig hinführen. Die besingt er in einem schleppend hypnotischen Flow, der genau zwischen Kanye und Kid Cudi liegt – zwei Idole, aus deren Einfluss Scott noch nie einen Hehl machte. Bei »90210« denkt man schließlich sogar, ein zu Unrecht verschüttetes Demo von »808s & Heartbreak« zu hören, während die Kanye-Nummer »Piss On Your Grave« hoffentlich nicht aus den Aufnahmen der kommenden »SWISH«-Platte stammt. Apropos Ye: Vielleicht war es die viele Selbstachtungs-Nach­hilfe ebenjenes Mentors, die Travi$ die Luft nahm, seine eigene Geschichte zu erzählen. So bleibt »Rodeo« ein klanglich wirklich groß angelegtes Projekt, das in seiner Liebe fürs musikalische Detail das unbestreitbare Talent von Houstons man of the moment offenbart: sein Gespür für das richtige Talent der richtigen Leute an den richtigen Stellen. Einzig als Ich-Erzähler tut sich Travi$ mit »Rodeo« keinen allzu riesigen Gefallen.

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