Talib Kweli – Gutter Rainbows // Review

 

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(Duck Down/Javotti/3D/Groove Attack)

Wertung: Vier Kronen

Die letzten Releases von Talib Kweli, seien es nun das 2007er Soloalbum »Eardrum« oder die letzte Reflection Eternal-Platte mit DJ Hi-Tek, waren allesamt kommerziell erfolgreich und zugleich Kritikers Liebling. Es gibt also eigentlich keinen Grund, dem fünften Album des MCs aus Brooklyn kritisch entgegen zu sehen. Schon beim ersten Durchhören wirkt »Gutter Rainbows« sehr erwachsen, sei es das neosoulige »Mr. International«, das Kwelis Leben im Vielflieger-Jetset beschreibt, oder das brettharte »Palookas«, für das der gute Marco Polo einen seiner besten Beats bis dato von der Festplatte gekramt hat. Hier hat einfach alles Hand und Fuß. Talib Kweli beweist selbst an der Seite eines Punchline-Monsters wie Sean Price, dass er zu den technisch versiertesten Rappern der Gegenwart gehört – nur wird das bei einem Conscious-MC halt gern übersehen. Oh No liefert für »Uh Oh« den interessantesten Beat der Platte und der wie immer grandiosen Jean Grae irgendwelche technischen Mängel anhängen zu wollen, wäre kompletter Irrsinn. Auch wenn Kweli etwas großspurig behauptet, dass »we speak for a higher purpose«, dann glaubt man ihm das durchaus. »Gutter Rainbow« ist vom ersten bis zum letzten Tune stringent und hochwertig, aber eben auch nicht besonders experimentell geraten, was sich auch an der Produzentenliste ablesen lässt: Khrysis, 6th Sense und Marco Polo stehen für zünftigen Bummtschack auf die Zwei und Vier. Aber Innovation muss ja auch gar nicht immer der Anspruch sein. Talib Kweli schafft es mit seinem Album stattdessen, echte Stimmungen zu erzeugen. Jeder Track hat einen eigenen Vibe und funktioniert als durchdachtes Musikstück sowohl im Kontext der Platte als auch als einzelne Momentaufnahme. Oberflächlich betrachtet, wirkt der Blacksmith im ewigen Vergleich mit seinem Freund Mos Def vielleicht eher wie ein biederer Arbeiter, aber »Gutter Rainbows« vermittelt in jedem Track, dass Talib Kweli genau weiß, wo er steht, was er kann und was man an ihm mag. Allein das drückt ein enormes Maß an Selbstreflektion aus – und genau davon profitiert diese Platte. Will vermutlich keiner hören, aber ist halt am Ende dann doch so etwas wie Erwachsenen-Rap. Im positiven Sinne.

 

Text: Julian Gupta

 

 

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