Sheck Wes: »The best creatives come from the hood« // Feature


Fast wäre Sheck Wes Profi-Basketballer geworden. Stattdessen widmete er seinem besten Freund Mo Bamba einen Song und ist nun Rapper, Model und das nächste große Ding. Zumindest, wenn es nach Kanye West und Travis Scott geht, die den jungen New Yorker im Frühjahr gleich beide unter Vertrag nahmen.

»The best creatives come from the hood, cause they ain’t got shit to create with«, sagt der 19-jährige Khadimoul Rassoul Cheikh Fall – und hat damit wie für alles eine rationale Erklärung parat, die auch gleich als Subheadline seines Debütalbums »Mudboy« dient, das Anfang Oktober erschien.

Als Sohn senegalesischer Einwanderer wächst Sheck in den St.-Nicholas-Projects in Harlem auf, verbringt den Großteil seiner Kindheit zwischen New York und Milwaukee und ist schon als Kind ein talentierter Basketballer. Mit elf fängt Kid-Cudi-Fan Sheck an zu rappen und nennt sich, well, Kid Khadi. Der einschneidende Moment findet jedoch knapp sechs Jahre später statt: Seine Mutter, eine strenggläubige Muslima, schiebt seinem sorglosen Leben vorerst den Riegel vor und schickt Sheck nach Senegal, um dort den Islam zu studieren.

»The best creatives come from the hood« (Sheck Wes)

Ein brutaler Einschnitt für den Teenager. Plötzlich ist er ohne Reisepass und Orientierung in Touba, dem Zentrum der Glaubensgemeinschaft der Muriden. Sheck sieht sich zum ersten Mal in seinem Leben konfrontiert mit völlig anderen Lebensrealitäten. Er weigert sich zunächst, das strikte religiöse Leben anzunehmen, merkt aber schnell, dass ihm keine Wahl bleibt. Also lässt er sich auf die Situation ein und taucht in die Geschichte seiner Familie und die westafrikanische Kultur ein. Nach fünf Monaten holt ihn seine Mutter zurück nach New York. Rückblickend erklärt Sheck, wie wichtig die Zeit in Afrika für ihn war: »That was the best thing for me at that time. It taught me my worth and matured me way quicker«, sagte er kürzlich im Interview bei Hot 97.

»Mudboy«, sein Debütalbum, folgt Shecks Duktus aus der Avantgarde-Imperfektion und der Härte Harlems, der schon seinen Hits »Mo Bamba« und »Live Sheck Wes« zu entnehmen war. Seine Beats sind dunkel und minimalistisch, müssen es sein, damit seine Stimme und Energie genug Raum haben. »Mo Bamba« besteht im Prinzip nur aus einem Synth-Loop und einer bedrohlichen Bassline. Mit gefreestyltem Unsinn, unkonventioneller Melodieführung und gebrüllten Adlibs ist der Song die Definition von Moshpit-Musik. Statt ausgefeilte Reimketten zusammenzuschustern, legt er den Fokus auf Stimmungen und zielführendes Beatpicking.

Sheck Wes hat Größeres vor, als einfach nur Rapstar zu werden. Ohne die Miene zu verziehen, äußert er seine Zukunftspläne, die teilweise an Allmachtsfantasien grenzen. Doch genau das macht ihn aus: der Mix aus einem überbordenden Ego und kühler Rationalität. Seinen Albumtitel erklärt er als »the stage right before becoming a man, when you just got out of a whole lot of turmoil and you’re figuring it out«. Und tatsächlich, vollendet ist die Persona Sheck Wes mit zwanzig Jahren noch lange nicht. Aber die Werkzeuge sind alle da.

Foto: Cian Moore

Dieses Feature erschien erstmals in JUICE #189. Die aktuelle Ausgabe ist versandkostenfrei im Shop zu beziehen.

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