Roy Woods: »Diese Drogen töten Jugendliche, ohne dass sie es wissen« // Interview

Wer an Kanada und HipHop denkt, landet zwangsläufig bei Drake. Immer. Aus Kanada, wie Drizzy aus Ontario, stammt aber auch Roy Woods. er wurde 2015 vom Champagne Papi unter Vertrag genommen. Auch Woods gründete sein eigenes Künstlerkollektiv (Unlock The Underground), um Talente zu fördern – wie Drake. Auf seiner ersten Europatour sprach Roy Woods mit uns über Gehirnerschütterungen, Xanax-Konsum und, logisch, Drake.

Dein Debütalbum »Say Less« kam vor ein paar Monaten raus, davor hast du aber schon mehrere EPs und Mixtapes releast. Was unterscheidet das Album- vom Mixtape-Format?
Alles ist größer: die Presse, die Shows, die Vorbereitung, die Tour. Es verlangt mehr von mir, von meinem Körper – auch mental. Und jeder um mich rum macht so viel dafür. Es ist etwas komplett anderes, ob du EPs und Mixtapes machst oder ein Album dropst.

In den letzten Jahren gelangten immer mehr kanadische Künstler in den Fokus. Drake als Vorreiter natürlich, in seinem Dunstkreis dann aber auch The Weeknd, PARTYNEXTDOOR und viele mehr. Inwiefern hat Drake da Türen geöffnet?
Als durch Drake das Scheinwerferlicht auf Toronto gerichtet wurde, wollte jeder plötzlich sehen, was in dieser Stadt musikalisch geht. Und die Musik war so gut, dass es unmöglich war, sie zu ignorieren. Das hat mich motiviert: zu wissen, dass ich es für meine Stadt schaffen kann. Drake ist der einzige Grund, warum es für viele Künstler in Kanada überhaupt möglich ist, in der Heimat zu bleiben und sich trotzdem einen Namen zu machen.

Du hättest auch Football-Profi werden können, hast auf der Highschool sehr erfolgreich gespielt, bis du die Schule gewechselt hast. Wie gut warst du?
Ich war ziemlich gut. Ob ich gut genug war, um Profi zu werden, das mag ich selbst nicht beurteilen. Aber ich habe viel Anerkennung von richtig guten Spielern bekommen.

Warum hast du aufgehört?
Ich hatte durch Football viermal eine Gehirnerschütterung – daraufhin wollte ich aufhören. Das war zu viel, ich wollte nicht noch mehr davon. Das war in der Familie auch immer ein schwieriges Thema.

Dass du dich dann auf Musik konzentriert hast, scheint ja auch die richtige Entscheidung gewesen zu sein.
Yup, davon habe ich noch nie eine Gehirnerschütterung bekommen. (lacht)

Wie groß ist der Einfluss von jemandem wie Drake, wenn es um die Albumproduktion seiner Artists geht?
Ich mache meine Musik alleine und zeige sie ihm dann später. Er muss da nicht groß involviert sein. Ich will in der Lage sein, meinen Job zu machen. Er braucht nicht meine Hand zu halten und mir immer zu sagen: »Du solltest dies tun, du solltest jenes tun.« Wenn ich zu ihm gehen will, ist er immer für mich da, aber ich weiß, warum ich bei dem Label gesignt bin. Und jedes Mal, wenn ich das Label wegen etwas Neuem von mir anrufe, lieben sie es. (lacht)

Du betonst immer wieder den Respekt und die Liebe, die du für Frauen empfindest. Gleichzeitig scheinen viele Songs von Schmerz und Leid aus Beziehungen geprägt zu sein. Die Verbindung zwischen R’n’B und der Thematik ist ja naturgemäß stark. Warum eigentlich?
(überlegt lange) Wenn einem Typen wehgetan wird … (lange Pause … Roy und sein Manager simultan) Es tut weh. (alle lachen) Frauen wird häufig wehgetan: Ein Typ betrügt sie, der nächste Typ betrügt sie und so weiter. Aber wenn einem Typen mal wehgetan wird, fangen die an, sich zu betrinken, Sachen zu zerstören. Das ist wirklich deprimierend.

Inwiefern haben Frauen dich in deinem Leben zu dem gemacht, der du jetzt bist?
Damn. Ich will nicht darauf schauen, welche Fehler die möglicherweise gemacht haben, nicht auf sie herabschauen. Jeder macht Fehler. Das tue ich auch. Aber es gab Situationen, in denen ich mehr getan habe als meine Partner. Das ist ein Fakt, und die Personen wissen das auch. Für mich ist es einfach wichtig, über diese Dinge zu sprechen, ganz besonders für eben diese Leute; zu erzählen, was ich für sie getan habe; dass ich Musik mache und dadurch meine Gefühle ausdrücke. Ich habe das Gefühl, als hätten mich vor allem Frauen dahin geführt.

Letztes Jahr ist Lil Peep an einer Überdosis verschiedener Medikamente, unter
anderem Xanax, gestorben. Du hast bis vor kurzem auch Xanax genommen, oder?
Ja. Aber kurz bevor Lil Peep gestorben ist, habe ich aufgehört. Das war so verrückt. Ich höre auf. Er stirbt. Wow! Das war unfassbar! Ich hatte damals eine schwierige Phase in meinem Leben, musste daran wachsen; lernen, meine Entscheidungen zu akzeptieren – und verstehen, dass Xanax nichts für mich ist. Diese Drogen töten Jugendliche, ohne dass sie es wissen. Die nehmen ein paar Tabletten, trinken ein bisschen Lean, mixen das alles, legen sich schlafen und wachen nie wieder auf. Es ist traurig. Ich kannte einige Leute, die durch Xanax gestorben sind.

Was hat dafür gesorgt, dass du aufgehört hast?
Ich hatte ein richtig verrücktes Erlebnis. Ich will das gar nicht konkret ausführen, das war viel zu verrückt. Aber es war im letzten September. Ich bin aufgewacht, wusste nichts mehr und habe gefragt: »Yo, was ist passiert?« (lacht) Jeder hat mir alle möglichen Sachen erzählt, die ich in der letzten Nacht gemacht habe. Ich konnte mich an nichts davon erinnern, das war furchteinflößend. Seitdem habe ich nie wieder eine Pille genommen.

Inwiefern hat der Konsum deine Musik beeinflusst? Hattest du das Gefühl, dich dadurch besser konzentrieren zu können? Dass du das brauchtest?
Es ist so, als ob ich mich selbst verarscht hätte, um genau das zu glauben. Aber sobald ich von dem Zeug weg war, habe ich bessere Musik gemacht als vorher – das war das Heftigste daran. Das zeigt, wie mächtig diese Sachen sind. Dein Verstand führt dich da hinters Licht.

Wie geht’s für dich nach der Tour weiter?
Ich will ein weiteres Album rausbringen. Ich habe sogar schon vor dem Release von »Say Less« daran gearbeitet. Ich hoffe, es kann noch dieses Jahr rauskommen. Ansonsten mache ich gerade ein Mixtape mit den Leuten von Unlock The Underground. Das ist das, was wir machen wollen: den Untergrund dort entfesseln. (lacht)

Text: Niklas Potthoff

Dieses Feature erschien erstmals in JUICE #188. Aktuelle und ältere Ausgaben könnt ihr versandkostenfrei im Shop bestellen.

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