Rick Ross – Teflon Don // Battle Of The Ear

(Maybach Music Group) 

PRO

Wertung: Fünfeinhalb Kronen
So, Schluss jetzt mit Bullenwitzen. Film geht los. Und wie zu erwarten, macht der Cop keine, err, Gefangenen: Direkt in der ersten Einstellung verweist er drohenden Zeigefingers auf die 45 in seinem Handschuhfach, lässt einer unbekannten Schönheit sein Antlitz auf die Brust tittowieren, ballert durch die Gegend wie zu chinesisch Neujahr, vertickt den einen oder anderen Dan Marino und stellt zur Feier des Tages eine Statue seiner selbst in die Mitte der Stadt. Donnerlittchen, hier ist was los… Das Leben mit Rick Ross ist das Leben, wie es sein sollte, in echt aber leider niemals ist. Zumindest nicht im South Florida Reception Center, in Iserlohn, oder wo auch immer “Teflon Don” dieser Tage in einem CD-Wechsler steckt. Aber wozu gibt’s Kino, und wer genau braucht noch mal Dokumentarfilme, wenn oben im Hauptsaal “Scarface 2” auf Großleinwand läuft? Hier liefern die Kolumbianer noch ungestreckt, rollen schnelle Sportwägen im Schneckentempo über den Ocean Drive, scheint die Sonne auch zu Mitternacht. Dazu hat sich Rozay von No I.D., Lex Luger, Kanye West, den Inkredibles und vor allem der J.U.S.T.I.C.E. League ein üppig ornamentiertes Klangkleid auf den barocken Leib schneidern lassen, das die Rede von der Musik als Movie (Baby) endgültig aufgehen lässt. “Teflon Don” ist Gangstablues als abendfüllendes Format, Mafiasoul in HD. Hier noch eine Drumroll, dort noch ein Schnörkel, und Rawse spuckt plötzlich Feuer, als hätte er nie etwas anderes getan. Ganz ehrlich: Waka Flocka Flame auf den “MC Hammer”-Remix, die lange Version von “Aston Martin Music” mit dem Drake-Verse anstelle des Originals, Raekwon, Nas und Bilal auf “Maybach Music 3.5”, und ich lasse mir auch ein paar Freudentränen in die Backe brennen. Sechs Stück, um genau zu sein. Cop: That shit. db

CONTRA

Wertung: Dreieinhalb Kronen

Gleich zweimal wurde dem ­korpulenten Konstabler Ricky Rozay in unserem Heft schon die Ehre zuteil, das Album des Monats abzuliefern. Und bei dem, was vor dem Release von “Teflon Don” so an Teasersingles durch das Netz geisterte, wäre ich nicht überrascht gewesen, wenn sich diese Serie auch mit seinem vierten Album fortgesetzt hätte. Zu Beginn bleibt alles beim Alten: Das Bombastbreitwandintro geht schon mal gut rein. Genau wie das grandiose “Tears Of Joy”, auf dem der Ghetto-Gospel dank Cee-Loo an der Hook aus jeder Pore tropft. Dazwischen gibt’s Freimaurer-Spökes mit Jigga oder Sinnfreies über Synthiebatterien und Snare-Stakkati mit dem Gucci-Manfred (“MC Hammer”). Auch die Kanye-Kollabo “Live Fast, Die Young” ist unfassbar großartig – aber so, wie Yeezy hier den Sampler malträtiert und sein Rapper-Ego aus dem Louis V.-Handtäschchen zaubert, geht Officer Ricky dann leider doch etwas unter. Genau wie auf “Aston Martin Music”, das um Drakes selbst­geleakten und übermenschlichen “Paris Morton”-Verse beschnitten leider nicht wirklich der Rede wert ist. Dazu kommt, dass auch der dritte Teil der beinahe schon legendären “Maybach Music” zwar auf instrumentaler Ebene überzeugt, man sich aber definitiv ein bisschen mehr inhaltliche Substanz gewünscht hätte, als sie T.I. und Jadakiss zu liefern imstande sind. Und so ist es nicht verwunderlich, dass ich nach gerade mal elf Tracks (von denen sechs bereits geleakt waren) ganz eindeutig etwas vermisse: nämlich die Kohärenz und die Quality Control, wie Ross sie von “Port Of Miami” über “Trilla” bis hin zu “Deeper Than Rap” immer weiter durchgesetzt hat. Alles in allem passiert hier schlicht nicht das, was man sich als Fan von Rick Ross wünscht. Klar, hier gibt’s immer noch großspurigen Kappes über fachmännisches Pferdewetten, kolumbianischen Nasenwhisky oder eine enorme Handfeuerwaffen- und Sonnenbrillenkollektion. Und natürlich meckert man beim Teflon Don schon auf sehr hohem Niveau. Die Luft ist halt nur trotzdem irgendwie ein bisschen rrraauuss. jw

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