Review: Tua – Stevia

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(Chimperator/Groove Attack)
 
Eigentlich müsste Tua ein Star sein. Eigentlich sollte er längst von Teenagern zum Retter in emotionaler Not ernannt worden sein. Doch aus irgendeinem Grund ist Tua bis heute ein »nur« szene-intern gerühmter Musiker geblieben. Vielleicht klingt seine Musik für den Pop-Ruhm dann doch etwas zu vertrackt und verschroben. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass der Reutlinger irgendwo zwischen leicht proletig, klug und versonnen, sowie nerdy und universal-genial klebt und weder einer bestimmten HipHop-Schule, noch überhaupt einem einzelnen Genre zuordenbar ist. Mutmaßlich wird sich das auch mit der »Stevia«-EP nicht ändern. Das ist schade, schließlich ist diese der stärkste Eintrag in der Tua-Diskografie seit dem Game-changenden »Grau«. Stevia, das ist der neue heiße Scheiß auf dem Markt der Süßungsmittel, möglicherweise ernsthaft gesundheitsschädlich und weit süßer als Zucker. Und auch die Songs auf dieser EP besitzen süßliche Qualitäten. Die sich langsam aufbauenden, langsam süchtig machenden Beats klingen kaum düster, sondern viel mehr breit, offen und gelassen. Natürlich ist Tua weiterhin der Vorzeige-Melancholiker, als der er sich als Solokünstler etabliert hat. Dennoch ist der Grundtenor freundlicher als beispielsweise auf »Grau«. Um das möglich zu machen, hat Tua tief in seinem Musik-Archiv gekramt und dieses mal vor allem verstolperte Garage-Anleihen, verstrahlte Synthies und sogar ein paar Jazz-Momente ausgepackt. Die neun Songs, über die Tua mal rappt, meist aber singt, werden fast immer von starken Melodien getragen, die den Stücken eine zugängliche Qualität geben. »Werbemädchen«, das von einer unnahbaren Person, gefangen in ihrem »Hotelflurlifestyle«, erzählt, funktioniert beispielsweise auch als Pop-Nummer. Geschmacklich geht hier, auf dieser EP, die größtenteils Frauengeschichten zu erzählen scheint, ohnehin lyrisch wie musikalisch alles. Mal rappt Tua »Ich bin ein Trümmerfeld voller Minen und Blindgänger«, mal singt er »wie eine gute Idee, eroberst du mich passiv«. Die Bilder, die er mit seinen Texten malt, sitzen fast immer perfekt und obwohl auch das Cover von »Stevia« wieder in grau, schwarz und weiß gehalten ist, hat Tua hier eine EP geschaffen, die einen mit vielen Klangfarben und wunderschönen Sound-Nuancen in Atem hält.
 

 

 

 

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