Review: Snoop Lion – Reincarnated

Snoop Lion - Reincarnated_Cover

 

(Mad Decent/RCA/Sony)

 

Tugendhaftigkeit ist eine Schlampe. Zumin­dest dann, wenn sie von einstmals ignoranten Spaßvögeln mit Gang-Hintergrund urplötz­lich entdeckt wird. So geschehen zuletzt bei Snoop Dogg. Urplötzlich berief sich die Westcoast-Gangsta-Legende auf Tugenden wie Verantwortung dem Hörer gegenüber und so schüttete er das letzte bisschen Gin und Juice in den Ausguss, warf seine Knarre weg, die Big Booty Bitches aus dem Clöb, kratzte sorgsam den Parental-Advisory-Sticker von den Hüllen seiner bisherigen Alben und wendete sich der sonnigsten aller Musikrichtungen zu: dem Roots-Reggae. Immerhin darf man da noch kiffen. Sein jamaikanisches Alter Ego Snoop Lion mag zwar keinerlei tieferes Wissen über den Exportschlager der Karibikinsel haben, aber modernen Schlager kann er ja, und entsprechend bewegt sich das zwölfte Snoop-Album irgendwo zwischen spaßigem Schunkel-Reggae (»Lighters Up«) und entsetzlich gutmenschlichem Predigergesabbel (»No Guns Allowed«). Vor allem dieser Song macht mit seiner naiven Anti-Waffen-Botschaft deutlich, dass es Snoop wirklich nur gut meint: »If we all were rich, we would be spending more time/with our ­daughters and sons – they are losing their minds.« Ach Gottchen. Aber der wiedergeborene Löwe ist bisher nun mal noch nie durch seine besonders tiefsinnigen Inhalte aufgefallen, und vermutlich wird das auch in den nächsten 15 Jahren nicht passieren. Snoop ist am stärksten, wenn er auf die Kacke haut. Das macht er allerdings auf »Reincarnated« nur bedingt und so sind es vor allem die Produktionen von Major Lazer, die den Unterschied machen. Wenn Diplo und Co. gut drauf sind, dann macht die Platte sogar ein bisschen Spaß. Wenn nicht, dann kommen dabei Produktionsunfälle wie »Get Away« heraus. Der Tune klingt, als habe Will.I.Am zusammen mit David Guetta versucht, einen Dancehall-Riddim zu bauen. Ganz schlimmer Totalausfall. Und was lernen wir nun aus der ganzen Snoop-Lion-Episode? »Gin and Juice« macht halt leider am Ende doch mehr Spaß als der gemeine »Fruit Juice«.

 

Text: Julian Gupta