Review: Prinz Porno – pp=mc2

511R3Qi1RbL(Keine Liebe Records/Groove Attack)

Wertung: Fünf Kronen

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Das wird wohl jeder unterschreiben, der Prinz Porno bereits seit seinen Beatfabrik-Zeiten kennt und liebt. Das mögen nur wenige sein, doch würden diese dafür mit umso größerer Inbrunst behaupten, dass es in Deutschland nie einen Besseren gegeben hat. Nun war der Zehlendorfer Prinz zugleich aber auch immer einer, der mehr Hater als Fans hatte, einer, der mit seinem Schaffen provozierte und extreme Reaktionen hervorrief. Ob als Porno oder als Pi, Friedrich Kautz wurde stets von einigen geliebt, aber von vielen gehasst. Auch viele seiner frühen Fans stieß Kautz irgendwann vor den Kopf, weil er nie lange dasselbe machte, Inhalt und Gewand seiner Kunst stetig an seine veränderte Lebensrealität anpasste. Umso überraschender und zugleich angesichts des sich wandelnden Zeitgeists logischer, erscheint nun »pp=mc2«. Über angefunkte, skelettale Beats aus dem Amiga rappt Herr Porneau zwar nicht mehr. Dafür aber über rumpelige Instrumentale aus der Feder von »Paradies«-Produzent Max Mostley, die ausgiebig auf den HipHop der Neunziger rekurrieren. Der das Spektakel eröffnende Song »Für meine Freunde« beispielsweise fängt die RZA-Magie der Mittneunziger ein, und auch der Rest des Albums bezieht sich musikalisch auf verstrichene Zeiten. Manchmal auf die eigene Vergangenheit, manchmal auf die Eastcoast, aber niemals auf unsere vertrappte Gegenwart. Auch inhaltlich trennt Friedrich Kautz mit diesem Album Prinz Porno so konsequent von Prinz Pi, dass man fast glaubt, bei »Kompass ohne Norden« und »pp=mc2« seien wirklich unterschiedliche Personen am Werke gewesen. P-zu-dem-O kehrt zurück in seinen alten Ziggy-Diggy-Kosmos, der wie anno dazumal ausschließlich von Wack-MCs bevölkert und von unsichtbaren, grundschlechten Mächten regiert wird. Nur »Chillig« mag sich nicht so recht in das Gesamtbild einfügen, das bleibt aber der einzige redundante Moment auf einem starken Album. »pp=mc2« mag Pornos Anfängen nicht gänzlich das Wasser abgraben, schafft es aber, eine Untergrund-Legende so wiederzubeleben, dass eine nachvollziehbare Entwicklung dieses Charakters sichtbar wird. Der Zauber ist also am Leben geblieben, obgleich Prinz Porno die vergangenen zehn Jahre im Untergrund hauste. Spätestens jener absurde 16-Minuten-Storytelling-Song am Ende des Albums (inkl. brisantem Gast-Rapper*, über den zu sprechen uns von gewissen Mächten untersagt wurde) lässt die Hater auf ewig verstummen.

*Hinweis: Am 8. Januar wurde von offizieller Seite bekanntgegeben, dass es sich hierbei um Kollegah handelt.

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