Review: Musiye – Sean Gyle

Musiye_SeanGyle_cover
 
(Macht Rap)
 
Musiye releast auf Macht Rap – dem Label, das Hammer und Sichel für sein Logo in Kopfhörer und Mic verwandelt. Was zunächst nach kommunistischer Sowjet-Symbolik schreit, orientiert sich doch in Wahrheit viel mehr an US-amerikanischer Ästhetik und knallharter Unternehmer-Mentalität. Mit anderen Worten: Hier wird kein »straightes Handwerk« ausgeübt, wie Savas sagen würde, sondern berechnend Popmusik produziert. Und das sowohl für die Headphones der Rap-Köpfe und den iPod deiner kleinen Schwester, aber letztlich auch für die gemeinen Rundfunkanstalten. Musiye plus Produzenten bekommen euphorische Instrumentals (»Sean Gyle«) ebenso galant bedient wie stadiongerechte Synth-Gitarren-Riffs (»Rockstar«) und Großraumdisko-taugliche EDM-Beats (»Make Up«); und das alles auf einer acht Tracks umfassenden EP – davor kann man durchaus den Hut ziehen. Ebenso vor der Professionalität der Produktionen, der stimmlichen Präsenz von Musiye und seiner makellos komprimierten Gesangsstimme. Und letztlich auch davor, wie präzise hier Flows auf Takte getrimmt werden. Wovor man den Hut dann leider nicht mehr ziehen mag, ist das eher magere Niveau der Lyrics. Homophone im Stil von »Alles meins, was da auf dem Tisch rumsteht/Baby du willst einen Drink, guck mal, ob auf dem Tisch Rum steht« sind ebenso geistlos wie Hashtag-Vergleiche à la »Ich habe ein Händchen für Hits – Klitschko«. Ohne Unterlass werden auf »Sean Gyle« vermeintlich clevere Wortspiele aneinandergereiht, bis am Ende nicht viel mehr als Belanglosigkeit übrig bleibt. Im Grunde genommen schade, blitzt doch bei jedem Track ein verborgenes Flow-Talent durch. Hinzu kommt, dass man nach 25 Minuten ziemlich unschlüssig bleibt, was die Inszenierung Musiyelagos angeht. Als könne sich der Junge – oder sein Label? – nicht so richtig entscheiden, ob er denn nun noch den sympathisch verplanten Kiffer mimen soll, der morgens zuallererst zu den Longpapes greift und davon tagträumt, seiner Mutter ein Eigenheim zu finanzieren. Oder ob er längst unter den Majors mitspielt, im Jetset-Lifestyle angekommen ist und auf Bitches eh nichts zu geben braucht, weil die nämlich Schlange stehen. Wäre diese Inkonsequenz vom Tisch, man würde Musiyelago die Hochglanz-Attitüde, die sich schon mit dem Cover ankündigt, glatt abkaufen.