Review: Ab-Soul – These Days…

ab-soul_cover
 
(Top Dawg Entertainment)
 
Die Vorzeichen waren zweifelsohne andere, als Herbert Anthony Stevens IV anno 2012 »Control System« veröffentlichte: TDEs Ruf als junge, wilde Game-Changer, die das Spiel von Westen aus
auf links krempeln würden, hatte sich so langsam auch bis in den Mainstream herumgesprochen. »Section.80« leistete seinen Beitrag dazu genauso wie »Habits & Contradictions«. Ab-Souls zweites Soloalbum vervollständigte seinerzeit den Hattrick, blieb jedoch hinter den kommerziellen Erfolgen von Kendrick und Q zurück. Dass Soulo mit der Zeile »I used to wanna rap like Jay Z, now I feel I could run laps round Jay Z«, trotzdem Besitzanspruch auf den Rap-Thron erhob, musste man dennoch unweigerlich sympathisch finden. Die Thronfolge blieb jedoch dank »good kid, m.A.A.d city« Kollege Kendrick vorbehalten, was Ab-Soul dieser Tage ratlos am künstlerischen Scheideweg verweilen lässt. Die lyrische Tiefe, die besagten Anspruch vor zwei Jahren rechtfertigte, hat der MC aus Carson mitnichten eingebüßt. Der verkannteste der schwarzen Hippies macht allerdings ob der Major-Erfolge seiner Labelmates zeitweise einen verlorenen Eindruck. »Tree Of Life« verdeutlicht die innere Zerrissenheit: »Can’t live without the benjamins, but I’m interested in photosynthesis« – dass sich die Welt um den rollenden Rubel dreht, verwehrt Soulo das baumhaft sorglose Leben. Mo money, mo problems? Auf »Dub Sac« gibt er sich Mühe, diese Puffy-Weisheit teilweise zu entkräften: Die Rostlaube ist mittlerweile gegen einen Benz eingetauscht, das Zwanni-Tütchen hat sich in einen Unzen-Beutel des feinsten Krauts verwandelt. Das Credo bleibt dennoch: »Ich gebe keinen Fiack«. Dass hier auf hohem Niveau gejammert wird, ist letztendlich mehreren Umständen geschuldet: Zum einen weist »These Days…« mit Beats von u.a. Purity Ring, DJ Dahi, Tae Beast und Mac Miller eine ganze Reihe großartiger Produktionen vor. Zum anderen hat sich Ab-Soul mit Action Bronson, Rozay, Lupe, Danny Brown, den restlichen Black Hippys sowie Mac Miller erstklassige Sparringspartner ins Boot geholt. Zu guter Letzt kommt Ab-Soul sein fehlender kommerzieller Appeal zugute: Die Kompromiss-Krankheiten von Schoolboys Major-Debüt sucht man bei Ab aufgrund der fehlenden Interscope-Unterschrift dieser Tage vergebens.
 

 

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here