Rapkreation – Obskur // Review

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Wertung: Vier Kronen

(Rapkreation)

Spätestens seit ihrem Hit »Aral« zusammen mit Big Pat und BHZ sind Rapkreation auf Deutschraps Untergrundkarte als eine der vielversprechendsten Hoffnungen verzeichnet. In den letzten Jahren hat eine Reihe von EPs dafür gesorgt, dass die Berliner sich nach und nach mehr Hörer erspielt und die Erwartungen an das Debütalbum gesteigert haben. »Obskur« kann diesen Erwartungen gerecht werden und zeigt, dass das Duo mit Unterstützung von BHZ-Produzent MotB mehr kann als Untergrund-Hits. Die Kernkompetenz von RapK liegt im heimischen Kreuzberger Kiez, den sie mal mit großer Liebe betrachten, mal darin herumtigern oder schlicht von nüchtern-verregneten Tagen erzählen, an denen sich in Gassen untergestellt wird. »Obskur« ist ein facettenreicher Spaziergang durch 361, der sich aber oft an bekannten Mustern entlanghangelt. Es gibt den obligatorischen »Früher war es anders«-Track (»Sandsack«), die Hymne für die loyale Gang (»Ausblick«) und den livetauglichen Banger zum pogen (»Bass im Kopf«). »Warte bis er dropt/und dann gib ihm richtig« ist die Ansage, die trotz der erwartbaren Themenwahl bestens funktioniert, aber von etlichen Konkurrenten und Mitstreitern im Game schon oft genug gezeigt wurde. Außergewöhnlich liefern Rapkreation dann ab, wenn sie die Straße nicht nur eindrücklich beschreiben, sondern daraus neue Szenarien erdenken. »Berlin brennt« lässt kurzerhand eine bürgerkriegsähnliche Straßenschlacht ausbrechen und verbindet diese Szenen mit moshenden Konzertbesuchern, »Medusa« schafft eine unpeinliche Abgrenzung von Mechanismen der Rapszene, ohne sich selbst als sperrige Außenseiter zu inszenieren, die verkrampft an der Gleichung »Untergrund = weniger Hörer« festhalten. Ihre Realness bewahren sich Victor und Tariq dadurch, dass sie ohne Effekthascherei schildern, statt Autotune lieber auf puristische Gesangsparts setzen und ihr Leben nicht glorifizieren, sondern Selbstzweifel und Ängste durchscheinen lassen. Es hinterlassen vor allem die unaufgeregten Momente am meisten Eindruck, so wie der letzte Track »2050«, in dem das Duo über einen Schlussstrich und Neuanfang nachdenkt und weniger auf Reime als auf unpathetisches Songwriting setzt, das trotzdem Gefühle transportiert. Mehr davon!

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