Rap Français: Die besten Releases aus Frankreich & Belgien // Kolumne

Isha – »La vie augmente, Vol. 2«

Es ist zu einer grausamen Gewohnheit geworden: Kein Monat vergeht, ohne dass belgische MCs ihre französischen Kollegen bluten lassen. Und nach einem – mit Blick auf Wetter und Rap-­Releases – eher trostlosen französischen Winter, bringt auch der gerade erwachende Frühling einige bemerkenswerte belgische Neuerscheinungen: Zum Beispiel »La Vie Augmente, Vol. 2« (Warner), das neue Album des aus Brüssel stammenden ISHA, einem ehemaligen Mitglied von L’Agency. Seine langjährigen Alkoholprobleme hat er endlich im Griff und bläst nun wieder zum Angriff. Mit einer für die Belgier typischen Mischung aus verschiedenen Musikstilen oszilliert Isha zwischen Introspektion, fein ziselierter Provokation und einer beeindruckenden Bandbreite an Flows. Nach Damso, Caballero & JanJass und Romeo Elvis wird auch 2018 für den französischsprachigen Rap das Jahr eines Belgiers!

Baloji – »137 Avenue Kaniama«

Etwas älter, aber ebenfalls aus Brüssel stammt BALOJI. Ehemals bei Starflam kehrte er seit 2008 zu seinen kongolesischen Wurzeln zurück und bereichert seither seine Platten durch Elemente aus afrikanischer und amerikanischer Populärmusik wie Rap, Soul und Funk. Sein zweites Solo-Werk »137 Avenue Kaniama« (Bella Union/PIAS) gliedert sich in drei Teile mit jeweils eigenständigem Charakter: Ist der erste unruhig und tanzbar, wird es im zweiten sehr persönlich, bevor es schließlich im dritten um universelle Kämpfe geht. Das Ergebnis ist ebenso tiefgründig wie aggressiv.

Rémy – »C’est Rémy«

Aber nicht alle französischen Rapper haben angesichts der wallonischen Invasion kapituliert. Den Beweis liefert RÉMY, der dank seines Mentors Mac Tyer einen Vertrag bei Def Jam ergattern konnte, und hilft dem fast schon in Vergessenheit geratenen Sprachgefühl, von dem es in der Pariser Banlieue Seine-Saint-Denis nur so wimmelt, zu neuem Ruhm. Auf »C’est Rémy« (Def Jam) erzählt der junge Mann aus Aubervilliers mit seinem altmodischen Flow melancholische Geschichten, akzentuiert durch zwingende Refrains auf neu interpretierten Boombap-Beats. Mit seinem ausgeprägten Gespür für ein rohes Storytelling gehört er zu den Diamanten der neuen HipHop-Szene.

Mâitre Gims – »Ceinture noire«

Abschließend sei noch erwähnt: Labortests bestätigen, dass das Hören der 39 (!) Stücke von »Ceinture noire« (Play Two), dem neuen Opus von MAITRE GIMS, das Nervensystem von Menschen zwischen zehn und achtzig Jahren schädigen. Ihr seid also gewarnt.

Text: Yann Charrault (IHH Magazine)

Dieses Feature erschien in JUICE 186. Back Issues können jederzeit versandkostenfrei im Shop nachbestellt werden.

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